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Anonyma - Eine Frau in Berlin

Folge: 1
Comedyserie, D/PL 2008

Frühere Austrahlungen

10.05.2010, ZDF
22.04.2011, 3sat
Berlin, April 1945. Als die Rote Armee in der Reichshauptstadt einmarschiert, werden in einem halb zerstörten Wohnhaus mehrere Frauen von siegestrunkenen Soldaten vergewaltigt. Eine von ihnen, im früheren Leben weltgewandte Journalistin und des Russischen mächtig, will dieses Schicksal nicht tatenlos hinnehmen. Anonyma (Nina Hoss) macht sich auf die Suche nach einem russischen Offizier, der sie vor den Übergriffen anderer Rotarmisten beschützt - und findet diesen schließlich im intelligenten, verhärmten Major Andrej Rybkin (Evgeny Sidikhin). Dass aus dieser Vernunftlösung eine echte Beziehung entsteht, hätte freilich niemand für möglich gehalten ... In den deutschen Kinos lief Max Färberböcks ("Aimee & Jaguar") Verfilmung des Anonyma-Buches (s. Kasten links) Ende 2008. Schon damals waren die Kritiker über die Qualität des Streifens geteilter Meinung: die Urteile reichten von "Geniestreich" (Süddeutsche Zeitung) bis hin zur Feststellung, es handle sich um einen "quälend betulichen Film ohne Dramatik, ohne Kraft und Wucht" (Spiegel online). Tatsächlich wird man spätestens nach einer halben Stunde den Eindruck nicht los, das Leid der Frauen sollte doch etwas verstörender gezeigt werden. Das Thema schreit förmlich nach Authentizität und Intensität. Doch Färberböck geht über weite Strecken auf Distanz und liefert solide deutsche TV-Wertarbeit in Hochglanzoptik ab. Lovestory in KriegsruinenZu viel Ästethetik, zu wenig Eindring­lichkeit - so lautet das Fazit. Andererseits muss man dem Film zugute halten, dass er sich immerhin an ein Tabuthema wagt und mit passablen Darstellerleistungen (neben Hoss spielen a. Rüdiger Vogler und Erni Mangold) aufwarten kann. Als bittersüße, deutsch-russische Liebesgeschichte vor zeitgeschichtlichem Hintergrund - denn diese Wendung nimmt das Verhältnis zwischen den Hauptfiguren - ist die "Anonyma"-Verfilmung gar nicht so übel. Wenn man allerdings weiß, dass die Beziehung zwischen der Ich-Erzählerin und dem Major in den Tagebuchaufzeichnungen hauptsächlich auf kühler Berechnung beruht, wird auch die Herzschmerzstory sofort wieder unglaubwürdig.

Schauspieler:
Nina Hoss(Anonyma)
Evgeny Sidikhin(Andrej Rybkin)
Irm Hermann(Witwe)
August Diehl(Gerd)
Rüdiger Vogler(Eckhart)
Ulrike Krumbiegel(Ilse Hoch)
Rolf Kanies(Friedrich Hoch)
Regie: Max Färberböck
Drehbuch: Max Färberböck
Kamera: Benedict Neuenfels
Musik: Zbigniew Preisner
Produzent: Günter Rohrbach, Jacek Gaczkowski, Piotr Strzelecki
Produktion: Constantin Film/ ZDF/ Tempus
Altersempfehlung: ab 12

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