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Zuhause bei Vera Russwurm

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© tele, Monika Saulich

Die "echte" Vera: Zuhause bei Vera Russwurm

Es gibt nicht viele TV-Moderatoren, die es länger als „tele“ gibt. Vera Russwurm ist seit 35 Jahren erfolgreich, mit „Vera – bei...“ kehrte sie ins ORF-Samstagabend-Programm zurück. tele hat sie besucht.

 

Man muss nicht viele der tausenden TV-Sendungen, die Vera Russwurm für den ORF moderiert hat, gesehen haben, um von dem „Hallo?“ aus der Gegensprechanlage geflasht zu werden. Gibt es eigentlich bekanntere Stimmen in Österreich? Russwum ist seit über 35 Jahren im TV-Geschäft. Sie hat sich schnell als konstante Größe etabliert, drei Romys als beste Moderatorin, den New York TV Award für die „Beste Talkshow“ sowie mehrere „Best of Böse“-Trophäen des Falter erobert – und nebenbei auch ihr Medizinstudium abgeschlossen, ohne bei einer einzigen Prüfung durchzufallen. „Heiße Schokolade mit Rum? Oder Chips?“ fragt sie im Vorraum ihres stattlichen Hauses am nordwestlichen Rande Wiens. „Kein Alkohol ist ok, aber dann muss man wenigstens junken.“

Sehen Sie hier die Bilder von Vera Russwurms Zuhause

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Die „echte“ Vera
Die Zweigleisigkeit Medizinstudium – TV-Karriere sei auch vorteilhaft gewesen. „Ich war locker bei den Castings, weil ich ja eigentlich Ärztin werden wollte. Und gelassen bei den Prüfungen wegen meinen TV-Erfolgen.“ Vera Russwurm sieht in natura besser aus als im Fernsehen und das ist irgendwie seltsamer, als wenn es umgekehrt wäre. Wie viel „echte“ Vera steckt in der TV-Vera? „Erstaunlich viel“, meint Ehemann Peter Hofbauer. „Das ist sehr wichtig, weil der Moderatoren-Beruf dann am besten funktioniert, wenn sich die Persönlichkeit in einer größtmöglichen Deckung zu ihrer Rolle im Medium befindet.“ Der Metropol-Chef hat seine „Hofbäuerin“ kennengelernt, als er die von ihr moderierte Jugendsendung „Okay“ produzierte. Zuvor ist Vera Russwurm ab 1979 u. a. als Tritsch-Tratsch-Girl mit Vier-Minuten-Monologen zu einem Thema ihrer Wahl beim Fernsehpublikum vorstellig geworden.

Schwarzweiß-Star
tele-zuhause-bei_Vera_Russwurm_10„Ich habe Tritsch-Tratsch erst viel später einmal gesehen, weil wir keinen Videorekorder hatten. Als ich Okay moderiert habe, bin ich zu meiner Oma fernsehen gegangen, weil sie im Gegensatz zu meinen Eltern einen Farbfernseher hatte. Das war Fernsehsteinzeit damals“, schmunzelt die dreifache Mutter. Moderatorinnen gab es damals im deutschsprachigen Raum kaum, Herren wie Hans Joachim Kulenkampff oder Hans Rosenthal führten durch die populären Sendungen. „Ich bin froh, dass ich damals begonnen habe“, betont die Gastgeberin. Zu Zeiten von zwei Sendern und begrenzten Sendezeiten inklusive Testbild und Bundeshymne habe man zwar nur schwer eine Chance bekommen. Aber wenn man sie genutzt hat, konnte man schnell groß werden. Und mit vier Minuten TritschTratsch pro Monat zur nationalen Berühmtheit aufsteigen.

15 Minuten Ruhm
„Ich war gestern in einer Therme, mein Haar fühlt sich anders an“, sagt die Talk-Queen, als sie vor dem Spiegel ihre Frisur checkt. Wie ist das so, als Vera Russwurm an einem Sonntag in einer übervollen Therme? Gibt es jemanden, der sie nicht erkennt? „Kaum, aber das bin ich gewohnt. Und es reden dich eh nur die an, die dich mögen.“ Zu ihren bis dato quotenstärksten Sendungen zählen „Vera“, „Vera exklusiv“ und „Schicksalstag“. Was Menschen antreibt, vor hunderttausenden Zuschauern teils unglaubliche Intimitäten zu enthüllen? „Vielen geht es um die von Andy Wahrhol sprichwörtlich gemachten 15 Minuten Ruhm“, sagt die Talkmasterin. „Die Eltern von verstorbenen Kindern versuchen, dem Tod der Kinder einen Sinn zu geben, indem sie andere warnen.“ Im neuen Format „VERA – bei ...“ steht gute Laune im Vordergrund. „Wir erleben schwierige Zeiten, da ist in der TV-Unterhaltung Fröhliches, Leichtes, Gutes gefragt.“ Was sie in 25 Jahren machen wird? „In 25 Jahren bin ich 50. Nein, 60“, schmunzelt Russwurm, Jahrgang 1959. „Da werde ich hoffentlich endlich Zeit finden, mit dem Rucksack durch die Welt zu reisen. Und ein bisschen Fernsehen werde ich auch machen. Nebenbei.“


Von Wolfgang Knabl

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Steckbrief Dr. Vera Russwurm:

• Geboren am 7. November 1959 in Wien
• TV-Premiere 1979 als TritschTratsch-Girl
• Verheiratet seit 1984
• Drei Töchter: Yara (24), Florentina (21), Anabel (15)

UMBRUCH

 

 

tele-zuhause-bei_Vera_Russwurm_36"Das Wichtigste für mich ...

… ist meine Familie“, meint Vera Russwurm im tele-Wordrap:

Wichtige Werte … sind für mich: Ehrlichkeit. Loyalität.
Kritik … an meiner Sendung mit den Franz-Fuchs-Eltern kann ich nicht nachvollziehen. Was soll an Versöhnung schlecht sein?
Best of Böse … finde ich lustig. Bin eben nicht der Falter-Typ.
Für eine Politikerin … wäre ich wohl zu direkt.

 

 

„Angstfaktor bei Null, Spaßfaktor riesig“

Bei meinem ersten Auftritt vor der Fernsehkamera in der Sendung „Tritsch-Tratsch“ war der Angstfaktor bei Null, der Spaßfaktor hingegen bei Fünf. Warum? Ich hatte zum damaligen Zeitpunkt – unmittelbar nach der Matura (!) - nicht die geringste Ambition, einen Job beim Fernsehen zu bekommen, geschweige denn eine Fernsehkarriere anzustreben; bin damals rein aus Lust und Laune, einmal den ORF von innen kennenzulernen, zum Casting dieser Sendung gegangen. Habe es aber damals schon durchaus genossen, die Öffentlichkeit mit meinen Ansichten zu konfrontieren.

Meinen Kindern muss ich gelegentlich noch heute erklären, warum ich in der Show „Leichter leben“ einen Bungee-Jump aus der (sehr niedrigen) Höhe von 12 Metern gemacht habe – noch dazu, wo ich von ihren eigenen diesbezüglichen Ambitionen keinesfalls begeistert bin. Aber Kinder müssen damit leben, dass auch Eltern gelegentlich Dinge tun, vor denen sie den eigenen Nachwuchs ausdrücklich warnen ...

Mein beglückendster TV-Moment vor der Kamera war jener, als einige der Opfer von Bombenbauer Franz Fuchs in meiner Sendung „Vera“ die Eltern desselbigen umarmt und somit gezeigt haben, dass sie dem Sohn vergeben.

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