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Das österreichische Fernsehmagazin
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© tele, Monika Saulich

Zuhause bei Toni Polster:

Das Traumschiff-Traumhaus

Goalgetter, Dancing Star, Fußballtrainer: Für Toni Polster haben schon viele die Welle gemacht. Sein Haus überrascht mit Hochsee-Design.


Der einzige Fußball-Held meines Lebens, der Austrianer war, heißt Toni Polster. Ein Strafraum-Genie, Torgarant auch in Spanien – und dennoch in der Heimat von vielen als lauffaul und proletenhaft verspottet. Bis er mit seinen drei Toren gegen die DDR Österreichs Fußballfans in Ekstase versetzte. Polsters Bassstimme tönt aus der Gegensprechanlage: „Servas. Kumm eina.“

Willkommen an Bord

zuhause_bei_toni_polster_12Das Zuhause von „Toni Nationale“ in Wien Hietzing ist im Hochsee-Design gestaltet. Die Außensicht erinnert an ein schnittiges Schiff, Details wie maritime Fensterläden oder Original Schiffslampen im Garten verstärken den Eindruck. Im Vorraum der stattlichen Villa: Chique Sandsteinfließen, dazwischen erlauben begehbare Glasplatten einen Blick in den Wein-Keller. Über dem Eingang hängt ein Kruzifix, der Goldene Schuh, den Polster 1987 als erfolgreichster Torschütze Europas eroberte, ist ebenfalls zu sehen.

UMBRUCH

Tonis Tipps

Vor dem Interview drückt mir der ehemalige Goalgetter und Dancing Star und nunmehrige Trainer der Wiener Viktoria ein paar A4-Zettel in die Hand und fragt: „Willst du wissen, wie alle Spiele bei der WM ausgehen und wer Weltmeister wird? Hier hast du die Ergebnisse.“

Hier die WM-Tipps von Toni Polster als Pdf herunterladen.

Toni „Golster“ ist ein freundlicher Gastgeber, im Interview zeigt er sich aber auch von seiner nachdenklichen Seite.

tele: In Deutschland wurdest du Toni Doppelpack genannt, auch in Spanien warst du Torgarant, dennoch hattest du immer auch viele Kritiker. Später avanciertest du zum WM-Qualifikations-Helden. Braucht man in Österreich eine „tragische Note“, um Kultstar werden zu können? So wie Karl Schranz nach seiner Disqualifikation oder Hermann Maier nach Sturz und Triumpf...

Toni Polster: Möglicherweise. Ich war wegen der Stimmung der Leute am Boden. Aber ich habe mich aufgebäumt, Charakter gezeigt, und letztendlich ein Stück Fußballgeschichte geschrieben. Rückblickend habe ich die meisten wohl mit meiner Beharrlichkeit überzeugt. Nicht alle, das wird man niemals schaffen.

Kurz zum DDR-Match, bei dem du Österreich mit drei Toren zur WM geschossen hast: Tausende haben dich bei diesem Heimspiel ausgepfiffen. Du hast das 1:0 erzielt. Was ist dir vor dem Elfer zum 2:0 durch den Kopf gegangen? Mit einem Fehlschuss hättest du den Bonus vom 1:0 wieder verspielt. Hast du überlegt, jemand anderen schießen zu lassen?

Mir sind 1000 Gedanken durch den Kopf gegangen. Aber wie bei jedem Elfmeter war es mir lieber, ich schieße. Lieber vergeige ich das Ding, als ich bin zu feige, mich zu stellen und es verschießt ein anderer. Meine Elferquote war auch ganz gut. Ich glaube, in Deutschland habe ich von 21 Elfern einen verschossen.

Was war deine Stärke?

Ich war sehr vielseitig. Gute Technik, einen guten Schuss mit links und rechts. Kopftore, und Freistoßtore habe ich auch einige gemacht. Die Elfmeter haben wir gelegentlich auch über eine kleine Schaffenskrise hinweg geholfen (lacht).

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Du wohnst hier sehr schön. Wieso hat dein Haus dieses Hochsee-Design? Eine Referenz an deine Zeit in Italien und Spanien?


Nein. Das Haus habe ich mir von Architekt Erich Goyer so gestalten lassen, weil es mir so gefällt. Seit 2008 wohne ich hier mit meiner Lebensgefährtin Brigit, ihrer Tochter Mariella und Katze Kiwi. Wir fühlen uns hier sehr wohl. Mein Zuhause ist mein Ankerplatz, hier werde ich nicht an Erfolgen gemessen.

Im Wohnzimmer nimmt der Fernseher einen prominenten Platz ein. Ist Fernsehen wichtig für dich?

Fernsehen ist für mich unersetzbar! Ich finde es ja lustig: Wenn man wo eingeladen ist sieht man daran, ob der Fernseher im Mittelpunkt steht oft auch, wie wichtig er ist. Ich kenne ein, zwei Leute, die haben keinen Fernseher, weil sie keinen wollen. Bei anderen steht er im Wohnzimmer im Mittelpunkt. So wie bei mir.

Was sind deine Lieblingssendungen?

CSI Miami. Autopsie und andere Doku-Serien, wo es um wahre Fälle geht, sehe ich auch sehr gerne,

Fußball im Fernsehen?

Ist auch legitim. Man kann nicht jedes Spiel im Stadion sehen.

Im Vorraum deines Hauses hängt ein Kruzifix. Wie wichtig ist dir der Glaube?

Mir persönlich ist der Glaube sehr wichtig. Weil ich an Gott glaube, weil mir das gut tut. Aber jeder muss für sich selbst interpretieren, wie und woran er glaubt und wie er seinen Glauben lebt. Ich bin keiner, der mit erhobenem Zeigefinger Leute mahnt, die nie in die Kirche gehen. Da bin ich weit weg davon.

Bei der WM werden wohl viele Buben wieder von einer Karriere als Starkicker träumen. Wie bist du so ein guter Fußballer geworden?

Toni Polster: Ich wollte das von ganzem Herzen. Und ich habe, wenn ich kritisiert worden bin, immer richtig reagiert. Wenn mein Papa gesagt hat: Du musst deinen rechten Fuß mehr trainieren, dann bin ich runter in den Hof gegangen und habe 3 Stunden nur mit dem rechten Fuß geschossen. Diese Besessenheit macht es im Endeffekt aus. Diese Besessenheit und das Sieger-Gen. Dass du auch auswärts vor 80.000 den Ball forderst. Das Du, gerade wenn es schlecht läuft, die Ärmel hochkrempelst. Diese Eigenschaften haben ganz wenige. Das trennt einen Champion von einem „nur“ talentierten Spieler.

Du warst auch ein sehr emotionaler Spieler, dein Torjubel ist legendär...

Einmal hat ein Trainer, Erich Hof bei der Austria, zu mir gesagt, ich soll nicht immer so viel jubeln nach den Toren. Da hab ich zu ihm gesagt: ich stehe um 5:30 Uhr auf, bin den ganzen Tag in der Lehre (ANM: Lehre zum Industriekaufmann bei den Wiener Verkehrsbetrieben), dann beeile ich mich zum Training. Trainiere jeden Tag einenhalb bis zwei Stunden. Für mich ist ein Match der Höhepunkt der Woche. Wenn ich ein Tor mache, ist das für mich als Torjäger das Größte.

Hast du nach deiner aktiven Zeit den Torjubel vermisst?

Ja, den Adrenalinstoß, den man als Spieler hat, vermisst man danach. Aber als Trainer ist es ähnlich. Deswegen liebe ich es auch so, Trainer zu sein. Obwohl es grausam ist, wenn man nicht selbst Tore schießen kann. Mit der Victoria haben wir zuerst fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Dann haben wir eine traurige Niederlagenserie erlebt. Aber das ist der Anreiz bei diesem Job, dass du versuchst, Spieler und die Mannschaft zu verbessern.

Hast du dir den Adrenalin-Kick auch bei deinen TV-Auftritten (Dancing Stars, Promi-Dinner, Extreme Activity etc.) geholt?

Nein, darum ist es mir nicht gegangen. Ich habe Dancing Stars gemacht, weil ich Zeit gehabt habe. Und weil es mich interessiert hat. Aber nicht, weil ich unbedingt ins Fernsehen oder mich selbst verwirklichen wollte. Es hat mich gereizt und war rückblickend eine sehr interessante Lebenserfahrung. Hat richtig Spaß gemacht. Obwohl es anfangs eine totale Überwindung und ein Knochenjob war.

Dschungel-Camp hast du angeblich abgesagt – zu eklig?

Sie fragen mich immer wieder. Aber das ist nicht mein Format. Nicht um alle Kohle der Welt.

In deinem Wohnzimmer sieht man einen Elefanten auf einem Holzstück...

... und einen Geparden in Bewegung und das dort in der Ecke ist eine Liane. Mein Wohnzimmer ist ein kleines Afrika.

Wie wichtig ist dir Wellness zuhause?

Ich bin zuhause sehr oft in der Infrarotkabine und in der Sauna. Ich mache noch immer jeden zweiten Tag Sport, und dann versuche ich, wieder Kräfte zu sammeln. Das geht sehr gut in der Infrarotkabine.

Wer wird Fußball-Weltmeister?

Deutschland.

Was sind deine privaten Ziele?

Dass ich mit Birgit und Mariella weiterhin glücklich bin, dass meine Kinder ihre Ziele, ihr Studium, weiterhin ernsthaft verfolgen. Dass sie auch weiterhin so respektable Menschen bleiben wie bisher.

Hier geht es zur Bildergalerie "Zuhause bei Toni Polster".

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Zur Person Toni Polster:

Anton „Toni“ Polster, geboren am 10. März 1964 in Wien, war in den 1980er und 1990er Jahren einer der erfolgreichsten und populärsten österreichischen Fußballspieler.

Bis 2008 war er mit Elisabeth verheiratet, sie haben zwei Kinder (Anton Jesus und Lisa Maria). Toni Polster lebt mit seiner Lebensgefährtin Brigit, ihrer Tochter Mariella und Katze Kiwi in Wien Hietzing.

www.tonipolster.at

www.toni-shirts.at

Erfolge:

  • 3x Österreichischer Meister 84/85/86
  • 1x Österreichischer Cupsieger 85
  • 3x Torschützenkönig Öster. Bundesliga 84/85/86
  • 1x zweiter Primera Division 90
  • 2x zweiter Deutsche Bundesliga 94/97
  • 5x Weltauswahl
  • 1x Deutscher Meister Hallenmasters 96
  • Bester Torjäger Österreichs 82-2000
  • 44 Tore in 95 Spielen des Nationalteams
  • 2x WM-Teilnahme 90/98
  • Herbstmeister mit SC Wiener Viktoria
10.61.5.113