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Das österreichische Fernsehmagazin

Komm rein, mal den Tisch an!

Ricarda Reinisch - c - tele Monika Saulich
© GEPA

Ihre Sendung „bewusst gesund“ feiert gerade das fünfjährige Jubiläum, sie leitet zudem die gleichnamige ORF-Initiative. Ricarda Reinisch über  Medizin im TV, ihr Publikum und ihr persönliches Gesundheitsrezept.

Seit vielen Jahren ist Ricarda Reinisch die Gesundheitsfee des ORF und das Gesicht diverser Gesundheitsmagazine. tele besuchte die versierte Moderatorin und Journalistin an ihrem Arbeitsplatz im ORF-Zentrum und traf eine äußerst engagierte, vitale Frau, die mit Themen wie „Krankheit“ und „Laster“ auch dann unverkrampft umgehen kann, wenn es sie selbst betrifft.

tele: Seit fünf Jahren gibt des Magazin „bewusst gesund“, das praktisch Ihr „Baby“ ist. Wie lautet Ihr Resümee?
Ricarda Reinisch: Es war keine Selbstverständlichkeit, dass wir das 2010 machen konnten. Nach „Modern Times“ (Anm.: 1995 – 2006) , das auch einen Gesundheitsteil hatte, hat es bis 2010 gedeuert, bis man es wieder mit einem eigenen Gesundheitsmagazin versuchte. Und es hat sofort funktioniert, wir hatten von Anfang an ein Publikum. „Erlebnis Österreich“, das zuvor auf dem Sendeplatz war, hatte die unterschiedlichsten Quoten. Bei uns bleibt die Quote kontinuierlich gleich, wir haben durchschnittlich 200.000 bis 250.000 Zuschauer. Sogar im Sommer, was uns sehr überrascht hat.

Wie sieht denn Ihr Stammpublikum aus?
Weiblich und 60 plus. Wobei verblüffenderweise, was sich niemand so recht erklären kann, auch viele junge Männer unter 35 zuschauen.

Wenden sich viele ZuschauerInnen direkt an Sie? Wie läuft die Interaktion ab?
Das Rührende ist, dass viele unserer älteren Seher noch Briefe schreiben und sich mit ihren Problemen an uns wenden. So wie das früher bei der alten „Wir“-Sendung war, da haben wir waschkörbeweise Post bekommen. Heute gibt’s halt keine Waschkörbe mehr, jetzt kommt vieles als E-Mail.

Wie ernst nehmen Sie es mit der Gesundheit?
Ich lebe überhaupt nicht extrem gesund, aber ich rauche zum Beispiel nicht. Ich habe ein anderes Problem: Ich liebe Süßigkeiten. Schon während meines Studiums, wenn ich vor einer Prüfung sehr aufgeregt war, bin ich in meiner Miniküche gestanden und hab Schokoladenkuchen gerührt. Den hab ich dann auch gegessen ... (lacht)

Haben Sie ein persönliches Gesundheitsrezept?
Ich versuche mich so weit es geht zu bewegen. Bewegung ist Leben, dieser Spruch stimmt wirklich! Ich bin aber nicht der Typ fürs Fitness-Studio. Auch wenn es noch so schick wäre und im Fernsehen immer diese tollen, lässigen, gebräunten Frauen im Studio zu sehen sind – ich hab’s probiert, aber ich schau dabei immer wie eine Lachnummer aus.

Sie wirken sehr agil, obwohl Sie an Arthrose leiden. Wie gehen Sie damit um?
Ich bin polyarthritisch. Es gibt bei mir kein Gelenk im Körper, das nicht bedient ist. Wie es sich jetzt herausstellte, gibt es da eine genetische Komponente. Aber ich versuche trotzdem mich so viel wie möglich zu bewegen, gehe halt mit meinem Hund spazieren (Anm.: Charlie, ein „sehr cleverer“ Pudel-Mischling). Arthroseschmerzen können verdammt heftig sein, das zermürbt dich. Nach meiner Operation waren die Schmerzen weg, das war wie ein neues Leben. Man kann ja offen darüber reden: Die einen gönnen sich ab einem gewissen Alter Busenimplante, ich hab nur Hüftimplantate (lacht). 
So what? Außerdem gibt es diesen Spruch: „Wenn du 40 bist und du wachst in der Früh auf und es tut dir nichts weh, dann bist du tot.“ Ich würde sagen, das stimmt – es gibt wenige glückliche Menschen, die gar nichts haben.

Welche Gesundheitstipps können Sie unseren Leserinnen geben? Speziell der Generation 60 plus ...
Man sollte jedenfalls zur Vorsorgeuntersuchung gehen, die ja in Österreich angeboten und bezahlt wird. Da ist etwa die Brustkrebsvorsorge, die ganz wichtig ist, egal ob man jetzt das Gen hat oder nicht. Dass man regelmäßig zur gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung geht, das ergibt sich ja zwangsläufig, egal ob ich im gebärfähigen Alter bin oder nicht. Wer all das macht und sich einigermaßen vernünftig ernährt, kann eh nicht mehr tun. Dann gibt es nur noch so etwas wie den lieben Gott oder das Schicksal ...

Ihr Mann ist Mediziner, Ihr Vater war Landarzt, einer Ihrer Brüder ist Arzt: Profitieren Sie als Gesundheitsjournalistin von diesem privaten Umfeld?
Ja, schon. Man tauscht sich halt hin und wieder aus. Wenn ich etwa in einer neuen Studie, die in den Bereich meines Mannes fällt, etwas nicht verstehe, dann frage ich ihn: „Kannst du mir das erklären, ist das wirklich so toll?“ Sonst eher nicht. Wir sind froh, in der wenigen Zeit, die wir gemeinsam haben, familiäre Dinge zu besprechen oder unsere Beziehung zu leben.

Gab es einen Beitrag in Ihrer Sendung, der Sie besonders berührt hat?
Das gibt es immer wieder. Zum Beispiel eine Geschichte über Demenzpatienten: ein altes Paar, die Frau kümmerte sich um den dementen Mann. Wie die beiden miteinander umgehen, obwohl er schon so in diesem Vergessen und Verlorensein gefangen ist, und doch noch irgend etwas aufblitzt, wenn sie seine Hand nimmt. Eine tiefe Emotion, etwas Vertrautes. Das ist unglaublich. Diese Geschichten sind so berührend.

 

BEWUSST GESUND IN ZAHLEN

• 207 Ausgaben des ORF-Gesundheitsmagazins gab es bisher
• Das Format brachte es auf über 4.347 Sendeminuten und über 600 Beiträge
• Rund 500 Expertinnen und Experten kamen in der Sendung zu Wort, 141 Diagnosen wurden gestellt
• Das Magazin war bei 72 Operationen dabei
• Es wurden 95 gesunde Rezepte und 69 Sportarten vorgestellt 
• Der älteste Patient war 103 Jahre alt, der jüngste noch gar nicht geboren

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