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Spritztour in die Formel 1

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© GEPA

Spritztour in die Formel 1

Ab 19. Juni steht der Grand Prix von Österreich auf dem Programm. Ex-Formel-1-Pilot Patrick Friesacher düste für Sie mit 200 km/h über den Red Bull Ring, tele hat am Beifahrersitz
Platz genommen

Der 328-PS-Motor brummt im Leerlauf. Die Startstrecke am Red Bull Ring in Spielberg wirkt respekteinflößend, auch wenn man sie von einem stehenden Auto aus betrachtet: Nach einem scharfen Rechtsknick geht es bergauf, bei 12 Prozent Steigung beschleunigen die Formel-1-Boliden auf 320 km/h, in der Remus-Spitzkehre bremsen sie auf 70 herunter, versuchen Überholmanöver. Ist der Start beim Österreich-Grand-Prix eine besondere Herausforderung? Patrick Friesacher klopft auf das Lenkrad des Nissan 370Z. „Jeder Start ist eine besondere Herausforderung. 20 Rennautos düsen um dich herum los, da ist der Adrenalinkick hoch.“


Extreme Erfahrung
friesacherDer ehemalige Rennfahrer gibt Gas. Der Nissan beschleunigt in 5,3 Sekunden von 0 auf 100. Wir sind alleine auf dem Ring, der Adrenalinkick ist für mich auf dem Beifahrersitz dennoch nicht ohne. Es geht unfassbar, aber messbar schnell – mit knapp 200 Sachen – bergauf, ähnlich wie in der Achterbahn, nur ärger, dann rein in die Remus-Kurve, ein Bremsmanöver, lautes Reifenquietschen, beim Driften überholt uns beinahe das Heck. Das Lenkrad rotiert in den Händen des Fahrers, der grinst, als würde er über eine Strandpromenade cruisen. „Warum bist auf einmal so ruhig?“ Wir rasen von der Pirelli- in die Würth-Kurve, er redet von der Ideallinie bei Regen, ich lasse die extremen Eindrücke sickern, frage schließlich: „Wie kann man nur so schnell Autofahren?“ Friesacher lacht. „Ich wollte schon als Bub Formel-1-Pilot werden, das war mein Traum.“

Große Träume
cPhilipPlatzer Wing 040514 0069Als Fünfjähriger fuhr der Wolfsberger Motocross, mit zehn wechselte er zum Kart, arbeitete sich in den Formelsport hoch. „Du brauchst Talent, musst fokussiert Ziele und Träume verfolgen, dann kannst du viel erreichen. Wobei im Motorsport auch Geld und Politik mitspielen.“ Elf Rennen ist Patrick Friesacher 2005 für Minardi in der Motorsport-Königsklasse gefahren, er hat sich seinen Traum erfüllt – aber um welchen Preis? Der damalige Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider soll die Rennfahrer-Karriere gefördert haben, Berichte weisen auf Sponsor­gelder aus Mitteln der Hypo Alpe Adria hin, auch von Bestechungsgeldern russischer Industrieller ist die Rede. Darüber will Friesacher nicht mehr sprechen. „Das Thema ist für mich erledigt.“

Respekt fährt immer mit
Wir glühen durch die Jochen-Rindt-Kurve, die schnellste am Ring. Der nahe Wald, im Fernsehen idyllisch anzusehen, rauscht als grüne Wand vorbei. Bis zu 4 G wirken bei den extremen Bremsmanövern auf F1-Piloten ein, mit 35-Kilo-Gewichten trainieren sie ihren Nacken, um das auszuhalten. Wir rasen über die Zielgerade, hängen das flaue Gefühl in meinem Magen ab. Leere Zuschauertribünen fliegen vorbei, schon wieder rein in die Remus-Schikane mit 200. „Angst sollte man als Fahrer nie haben, aber Respekt“, so Friesacher. „Du gehst immer ein gewisses kalkuliertes Risiko. Manchmal, bei Überholmanövern, reizt man das etwas aus.“ 1997, mit 17, saß er nach einem schweren Kart-Unfall zwei Monate im Rollstuhl. 2008 verunglückte er in Magny-Cours, brach sich drei Brustwirbel. Gezweifelt hat er nie. „Der Rennsport ist meine große Leidenschaft. Beim Rennen in einem perfekt abgestimmten Auto bist du wie in Trance. Das ist magisch.“ Wenn sein Sohn, 2, oder seine Tochter, 7 Jahre, eine Rennkarriere anstreben? „Dann werde ich alles versuchen, ihnen zu helfen, ihre Ziele zu erreichen. Und jetzt ist der Spaß vorbei.“ Nach vier Runden bringt Friesacher den Nissan zurück in die Garage. Sein Favorit fürs F1-Rennen 2015 in Spielberg? „Das ist eine Power-Strecke. Du brauchst viel Leistung, ein stabiles Auto, damit du spät bremsen kannst, gute Traktion beim Rausbeschleunigen. Das spricht für Mercedes.“

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