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Das österreichische Fernsehmagazin

Another Year

Another Year
© Filmladen
Starttermin:
28.1.2011
Veröffentlicht:
28.01.2011
Neues aus England vom Meister der kleinen Dinge: Mike Leigh.

Tom (Jim Broadbent) und Gerri (Ruth Sheen) sind um die 60. Ihre glückliche Ehe hält seit einigen Jahrzehnten, das Leben im beginnenden Alter verläuft in geordneten Bahnen. Gerri arbeitet als Therapeutin, Tom als Geologe. Beide leben eng nach dem Rhythmus, den die Natur vorgibt – ihr Schrebergarten fordert das. Schließlich gilt es, Gemüse anzubauen und zu ernten, Grillfeste zu feiern und Freunde zu bewirten. Die beiden sind eingespielt, friedlich, angenehm unaufgeregt und immer humorvoll, deshalb besucht man sie gern, so auch Mary (Lesley Manville), eine Arbeitskollegin Gerris, die unter ihrem Single-Status leidet. Sie tut sich gern selber leid, zumal wenn sie was getrunken hat, was immer öfter vorkommt, furchtbar allein fühlt sie sich dann. Tom und Gerri haben Verständnis. In ihrer Einsamkeit verschaut sich Mary ausgerechnet in den in etwa 30-jährigen Sohn des Paares, Joe (Oliver Maltman). Der merkt zum Glück fast nichts von ihrer Schwärmerei. Die Eltern würden ihm eine nette Freundin wünschen, aber bei ihm tut sich einfach nix. Ken, ein Freund von Tom und Gerri, würde sich für Mary interessieren, die ignoriert jedoch seine Bemühungen und konzentriert all ihre Aufmerksamkeit auf den jungen Joe, mehrmals ist die Situation kurz davor, zu kippen… es bleibt wieder einmal an Tom und Gerri hängen, den allgemeinen Seelenfrieden herzustellen.

Mike Leigh gelang ein wunderschönes Sittenbild über ein glückliches Ehepaar und ihren Freundeskreis. Das mag zwar nicht wie das spannendste Thema der Filmgeschichte klingen, ist aber in jedem Fall abendfüllend: So fein gesponnen sind die zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich mehr durch kleinste Gesten und Blicke, denn verbal äußern, fast dokumentarisch wirken die Aufnahmen. Als Mary die Situation fast zum Eskalieren bringt, muss sie erkennen, dass Freundschaft auch zum reinen geduldet werden abkühlen kann, wenn man sich ins familiäre Gefüge andere Leute mischt, die Situation wird kurz kühl, fast ein wenig bedrohlich. Leigh gelingt eine genau beobachtete, ruhiges Beziehungsstudie, eine Art filmisches Familienporträt.

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