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Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte
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Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte

Provokant und vielschichtig, poetisch und exzentrisch, genial und besessen: Eine märchenhafte Hommage an Serge Gainsbourg.
Starttermin:
29.10.2010
Veröffentlicht:
29.10.2010
 

Er liebte das Schöne und zog das Schöne an, die begehrtesten Frauen seiner Zeit eroberte der schüchterne Poet, seine Chansons sind französisches Nationalheiligtum und Provokation zugleich: Serge Gainsbourg, dem rauen Barden und begnadeten Raucher schuf Regie-Debütant Joan Sfar mit "Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte" ein märchenhaft-fantastisches und feines Denkmal. Mit dem kleinen Lucien beginnend bis hin zu dem Popstar Serge malt Sfar ein Bild des Sängers, das viel Spielraum lässt und welches weniger versucht, den echten Serge darzustellen, denn den Antrieb für das Schaffen des exzentrischen Genies zu suchen. Der kleine Lucien – ausgestattet mit einem Judenstern, den er gerne auch als Sherif-Stern benutzt – wird von seinem Vater zum Klavierspiel gezwungen, malt aber lieber Comics, Geschichten und Bilder – vor allem Akte. Doch zum Überleben reicht es nicht, Serge verdient sich sein Leben als Barmusikant und findet schließlich in der Musik sein Auskommen – nicht aber seine Berufung. Bereits als kleiner Junge hat er auf einem antisemitischen Plakat eine Fratze kennen gelernt, die zum Leben erwacht und sich an Luciens Fersen haftet. Er wird sie nicht mehr los werden, "die Fresse"  begleitet ihn in seinem Leben – als Gefährte, als Antrieb, als verwegener Verführer, als Mr. Hide, Alter Ego, Muse und Teufel. Mit Hilfe oder wegen der Fresse wird Serge Musiker und Popstar. Obwohl nicht gutaussehend, sondern eher zu dünn, zu schmächtig, mit in seinen Augen zu großer Nase und abstehenden Ohren ausgestattet, so ist er doch ein legendärer Verführer, der die schönsten Frauen seiner Zeit eroberte. Die legendäre Brigit Bardot (hinreißend und bezaubernd: Laetitia Casta) oder seine spätere Frau Jane Birkin (zerbrechlich schön: Lucy Gordon).

 

Sfar zeigt Gainsbourg als schüchternen aber leidenschaftlichen Abenteurer, er malt das Bild eines Besessenen, der wütend ist, weil er mit seiner Malerei nicht erreichen kann, was ihm mit seiner Musik gelingt. Im Film verbrennt Gainsbourg – angetrieben von seiner Fresse – seine Bilder – eine Szene, die es so nie im realen Leben des Meisters gab.

Lügen-Geschichten
Es sind die Lügen über Gainsbourg, die der Comiczeichner Joann Sfar so liebt. Es sind nicht die Wahrheiten, die man von dem Musiker weiß. "Die Wahrheit könnte mir gar nicht gleichgültiger sein. Ich liebe Gainsbourg viel zu sehr, um ihn ins Reich der Realität zurückzuholen", so der Regie-Neuling. Comiczeichner wurde Sfar überhaupt nur, weil er Gainsbourg so liebt und verehrt, und weil Sfar sein Idol nicht durch hilflose Versuche, Sänger zu werden, beleidigen wollte. In seinem Regiedebüt setzt Sfar Gainsbourg ein märchenhaftes Denkmal. Es ist weniger ein Biopic denn eine fantastische Hommage an den Künstler und Menschen Gainsbourg.

Éric Emosnino als Gainsbourg  ist ein unglaublicher Glücksgriff. Eigentlich hätte Charlotte Gainsbourg – Tochter von Serge und Jane Birkin – die Rolle ihres Vaters übernehmen sollen, sagte aber ab. Also castete Sfar Emosnino. Der Theaterschauspieler lässt sich in dem Film von dem Mythos und der Legende Gainsbourg nicht erdrücken – unter anderem deshalb, weil er sich zuvor kaum mit der reellen Vorlage beschäftigt hat. Sfar lernte für den Film singen, Gitarre und Mandoline zu spielen und entdeckt seine Musikalität.  Der gesamte Soundtrack wurde von den Schauspielern neu eingesungen, Sfar verleiht mit seiner arrhythmischen Interpretation den Chansons Gainsbourgs Nonchalance und Distanziertheit.

"Gainsbourg - Der Mann den die Frauen liebten" ist eine fantastische Geschichte über einen schüchternen und unsicheren Mann, der durch Provokation sich selbst schützt und sein Inneres verdeckt hält. Ein Film über einen Poeten mit Feingefühl und unterdrückter Romantik. Wer Gainsbourg noch nicht liebte, wird es nach diesem Film.

 
 

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