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Das österreichische Fernsehmagazin

Manuel Rubey im Interview

Manuel Rubey im Interview
© Lunafilm
Veröffentlicht:
12.03.2013
Der Hauptdarsteller der grundsympathischen romantischen Kinokomödie „Zweisitzrakete“ über Kostümfetzen, WG-Erfahrung und das Leben mit zwei Kindern.

Was war das Wildeste, was du je für eine Frau gemacht hast? 

Ich habe fünf Jahre an ihr festgehalten, obwohl sie nicht mehr wollte.

Hat es was gebracht?

Nein.

Es scheint, als ob in Österreich wieder mehr Komödien gedreht werden ...

Ich bin vorsichtig optimistisch. Seit der „Unabsichtlichen Entführung der Frau Elfriede Ott“, den ich aber einfach fantastisch finde, hab ich das Gefühl, es ist eine Öffnung aus diesem Kastendenken möglich. Und das finde ich sehr gut.

Befindlichkeitskino ist auch wichtig, aber ausschließlich ist es ein wenig deprimierend ...

Das war jetzt zwar nicht als Frage formuliert, aber wenn du das gerne so stehen lassen möchtest, würde ich dir uneingeschränkt zustimmen. Die New York Times nennt den österreichischen Film „Feel bad movie“ ...

Du bist derzeit omnipräsent, machst Kabarett, spielst in Filmen und Serien und hast auch noch ein Familienleben mit zwei Kindern zu organisieren – wie klappt das, ohne dass du dich derrennst?

Ich derrenn mich eh grad ein bisserl, es ist schon so, wie’s aussieht. Das ist halt die Zwickmühle in meinem Beruf: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Es gibt auch Zeiten, wo's nicht so ist. Gleichzeitig ist es auch ein ziemlicher Kraftakt, wie man das alles halbwegs in Einklang bringen kann, vor allem, dass man seine Kinder auch mitkriegt. Das Gute ist, seitdem ich kaum mehr Theater spiele, sind die Dinge nicht so zeitaufwändig. Theaterproben sind der Albtraum, da sieht man gar niemanden mehr.

Du hast eine Rolle in der internationalen Produktion „Borgia“ gespielt, was war das für ein Erlebnis?

Das war schon etwas Besonderes, diese Maschinerie einmal kennenzulernen. Das war ein völlig neues Ausmaß. Aber das funktioniert, wenn Profis das machen. Ich hab das sehr gern gemacht. Das war recht einfach, obwohl ich nicht gut Englisch spreche, weil das einfach sehr kollegial verlaufen ist. Und so ein Kostümfetzen ist ja auch ein bisserl der Grund, warum man diesen Beruf macht: Verkleiden, fechten und reiten ...

Wirst du Thomas Stipsits jemals wieder los? Willst du das überhaupt?

Ich möchte den Thomas Stipsits eigentlich gar nicht mehr loswerden. Zwischen uns herrscht einfach blindes Verständnis.

Du bist gut in Komödie. Ist das eine Gabe oder hart erarbeitet?

Das ist Arbeit. Ich habe mir ja lange Zeit selbst nur gewünscht, dass ich auch lustig sein kann. Man hat mich aber überhaupt nicht so gesehen. Ich finde ja, gute Komödie ist total existenziell. Ich bin selber gerade am Herausfinden, dass es das ist, was mich am meisten interessiert. Auch beim Schreiben.

Was schreibst du gerade? 

Thomas Stipsits und ich schreiben gerade eine Sitcom. Wir spielen ein schwules Paar, dessen Beziehung schon ziemlich am Ende ist, das ein heruntergekommenes Stundenhotel im 15. Bezirk betreibt. Der Arbeitstitel ist „Salambo“ nach einem Roman von Flaubert, einfach weil's gut klingt.

Wie wichtig ist das Kind-Sein als Erwachsener? 

So pathetisch die Frage ist, so pathetisch ist die Antwort: Es ist total wichtig. Auch wenn das durch die Esoterik und die Ratgeberliteratur total abgegriffen ist. Da geht’s darum, offen zu bleiben und im Moment zu sein, das ist das höchste Ziel überhaupt – das gilt für die Arbeit wie auch für's Leben. Es wird halt von Jahr zu Jahr schwieriger. Die großen Werke oder wissenschaftlichen Ideen sind ja immer in solchen Moment passiert, wo man frei ist von Erwartungen und Sorgen. Das ist auch etwas, was ich erlebe. Kinder können das fantastisch. 

Wie wichtig ist auch für unsere Generation das Erwachsensein? Es gibt ja auch das Gegenbeispiel von Berufsjugendlichen …

Absolut. Das ist schon bizarr. 40 ist das neue 30-

Aber was ist dann das neue 80?

Es gibt eine wunderbare Zeile in einem Kettcar-Song: „Opa skatet wieder, Oma hat jetzt noch ein Tattoo“. Grundsätzlich finde ich das ja positiv, dass wir trotz aller Krisen in eine Zeit hineingeboren wurden, wo man sich Zeit nehmen kann, rauszufinden, was man will. Aber die Biologie bleibt halt Biologie und irgendwann wird das albern. Das muss man für sich selber immer wieder ausdefinieren: Wie lang geht's sich aus?

Wie wichtig sind Männerfreundschaften? Und Frauenfreundschaften?

Ich glaube, dass Freundschaften total wichtig sind, weil man gewisse Sachen auslagern kann und das auch notwendig ist, um eine gute Beziehung zu führen.

Wie jetzt, Darts-Spielen und Biertrinken?

Ja, wenn das dazu dient, um sich ein bisschen auszupowern, ist das total legitim, find ich. Fußballschauen, Bier trinken, das ist ja immer noch alles im Rahmen. Das geht natürlich auch mit Frauen. Ich habe wenige Frauenfreundschaften, aber die wenigen sind sehr intensiv.

Das Kabarett-Programm mit Thomas Stipsits heißt „Triest“. Was bedeutet für dich Italien?

Italien bedeutet für mich Lieblingsspeisen und den ständigen Versuch, mir durch Berlusconi und italienisches Fußball-Fantum das Italien-Bild nicht madig machen zu lassen.

Wie wichtig ist es, in einer Beziehung mit dem Partner richtig gut befreundet zu sein? In „Zweisitzrakete“ ist diese Basis ja auf jeden Fall gegeben …

Wobei's da ja auch wieder spannend ist, was passiert, wenn die 48 Stunden in der Rakete hocken und die ersten Zoffs losgehen. Ich glaube, dass es in einer Beziehung extrem wichtig ist, nach dieser rosaroten Anfangszeit eine total enge Freundschaft auszudefinieren, weil die Leidenschaft natürlich irgendwann abnimmt und man das aber woandershin verlagern kann.

Hast Du WG-Erfahrung?

Mhm (er brummelt). Ich bin nicht leicht zum Zusammenleben, ich habe ein bisserl einen Ordnungswahn habe und bin auch ein Wegschmeißer. Meine einzige WG hat mich damals fast meine besten Freundschaften gekostet, weil wir wegen Abwaschplänen, Putzplänen und solchen Dingen gezofft haben. Wir wollten uns damals wirklich eine Zeitlang nicht sehen. Wobei ich mir vorstellen könnte, mit dem Simon Schwarz in einer WG zu wohnen.

Was ist Simon Schwarz für einer?

Simon ist ein großer Zweifler, er ist, obwohl er einer der lustigsten und intelligentesten Menschen ist, die ich kenne, wirklich auf der dunklen Seite zuhause.

Wenn du Bürgermeister einer Stadt werden könntest, welche wäre das und warum?

Ich möchte eigentlich nicht Bürgermeister werden. Wenn, dann würde ich glaub ich einen ganz kleinen Ort im Waldviertel nehmen, aber selbst da wüsste ich nicht, welche politischen Forderungen ich hätte.

In welchem Film oder Projekt deiner Karriere findest du dich am meisten wieder?

Bei mir ist das eher eine Zeitspanne: Die letzten zwei Jahre gehen in die richtige Richtung. Es ist wirklich befriedigend, wenn sich das Selbstbild mit der Außenwahrnehmung zu überschneiden beginnt. Es deckt sich natürlich nie ganz. Das ist so mit Schalko und „Braunschlag“ passiert, mit „Fauner Consulting“, mit dem Stipsits.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Julia Pühringer

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Traumklau für Traumfrau:

Was hilft gegen Liebeskummer? Eine irre Selbsthilfegruppe. Ab 1. März im Kino.

Manuels (Manuel Rubey) beste Freundin (Alissa Jung) verliebt sich in einen Piloten – genau dann, als ihr Manuel seine Liebe gestehen will. Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst: Mithilfe seines besten Freundes (Simon Schwarz) und dessen schrulliger Selbsthilfegruppe verlassener kerle (u.a. Thomas Stipsits) macht sich Manuel auf, das Herz seiner Liebsten mit einer aus dem Technischen Museum geklauten Zweisitzrakete zu erobern. Die Die leichtfüßige Komödie führt auf Liebesirrwegen quer durch Wien.

http://www.zweisitzrakete.com/



Interviews

Manuel Rubey im Interview
Interviews, 12. März 2013
Was war das Wildeste, was du je für eine Frau gemacht hast?  Ich habe fünf Jahre an ihr festgehalten, obwohl sie nicht mehr wollte. Hat es was gebracht? Nein. Es scheint, als ob in Österreich wieder mehr Komödien gedreht werden ... Ich bin vorsichtig optimistisch. Seit der „Unabsichtlichen Ent… mehr >
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