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Jellens EM-Tagebuch, Teil 4
© Franz Jellen

Jellens EM-Tagebuch, Teil 4

Es wird nicht gemauert. Es wird geackert. Spanier, Portugiesen, Italiener – ja, sicher auch die deutschen Wunderwuzzis gehen an die Schmerzgrenze, wenn der Titel in greifbare Nähe rückt. Aber richtig großer Fußball will nicht mehr gelingen bei dieser EURO, die Nullnummern häufen sich. Wird heute abend alles anders? Kann Deutschland den Italien-Fluch bannen, ist die Brust wirklich so breit? Wir werden sehen.
Veröffentlicht:
28.06.2012
 

Im Rückspiegel: Vamos, Olé und Tschüss!

IC1 gegen CR7, das Duell, das irgendwie gar nicht stattfand.

Es ist schon verblüffend, wie stoisch Cristiano Ronaldo sein possierliches Freistoßritual durchzieht. Exakt abgezählte Schritte nach hinten, die immer vehementer zelebriert werden und von Fehlschuss zu Fehlschuss immer lächerlicher ausfallen. Ein Schritt zur Seite, Gunman-Position einnehmen und dann der hochkonzentrierte Blick Richtung Tor, der gefährlich gemeint ist und doch so  flehentlich wirkt, weil der verdammte Ball nicht das macht, was er ihm in der Primera Division so erfolgreich verordnet hat. Daneben, daneben, daneben.

Gegenüber der Stolz Spaniens - IC1, der gelassenste Goalie aller Zeiten. Der Klubkollege, der bei dieser EM so sehr in sich selbst ruht, dass ein Scharfschütze mit Model-Allüren schon mal zum Frustbündel verkommen kann. Manchmal habe ich das Gefühl, der nicht wirklich spritzige Pique schlurft nur deshalb so fahrlässig vor dem Strafraum herum, weil da hinten sowieso der charismatische Casillas wartet. Nahezu beschäftigungslos, weil die Gegner ob seiner hypnotischen Ausstrahlung eh kaum das Gehäuse treffen.

Da ist es auch egal, dass Ikers Verlobte Sara Carbonero bei den obligaten Interviews nach dem Schlusspfiff einen ziemlichen Blödsinn daherquatschte und Andres Iniesta fragte, wie er sich denn auf seinen Elfmeter vorbereitet habe. Der verdutzte Mittelfeldstar hatte immerhin den zweiten Elfer für Spanien verwandelt und damit seinen Teil zum Finaleinzug beigetragen.. Na ja, Sara-Baby, kann ja in der Aufregung passieren.

Spanien war in der Verlängerung besser, die Portugiesen waren in den letzten 30 Minuten platt. Iniesta vergeigte da die einzige wirklich Hundertprozentige des Spieles. All das war nicht zu übersehen In der regulären Spielzeit war Portugal ebenbürtig, bissig, die Tiki-Taka-Fraktion wirkte fahrig, Abspielfehler häuften sich, sündteure Stars mühten sich in die Pause, mühten sich weiter, sahen CR7 beim Danebenschießen zu.

Wie in Trance waberte dieses Semifinale dem vorhersehbaren Höhepunkt entgegen. Alves verströmte Verunsicherung, lange bevor er seinen Elfmeter an die Latte knallte. Casillas war die Ruhe selbst. Cesc Fabregas meinte nach dem Spiel, er habe sich einfach pudelwohl und siegessicher gefühlt, vor dem entscheidenden Elfer. CR7 stand perplex auf dem Rasen herum und konnte sein Unglück nicht fassen. Knapp vorbei, voll daneben, noch vor dem Elfer aus allen Träumen gerissen. Immerhin, keine Messi-Rufe diesmal …

Ausblick: Spielt die Angst mit - und falls ja: wer hat Angst vor wem?

„Selbstbewusst, frech und mutig“ will Jogi Löw gegen Italien spielen lassen. Nein, in Depression werde er nicht verfallen, sollte es doch nicht klappen.  Ja, man sei sich der eigenen Stärken bewusst. Aber Italien sei ein ebenbürtiger Gegner, Winzigkeiten würden über den Finaleinzug entscheiden.

Was man vor dem Semifinalhit wissen muss:

Cesare Prandelli, Trainer der Azzurri, wird bei einem Erfolg wohl wieder zum Kloster der Camaldolesi pilgern. Das liegt ein paar Kilometer vom Teamquartier in Polen entfernt und der Name der Bruderschaft  klingt ein bisschen nach dem Italo-Wühler Camoranesi, der einst im italienischen Team spielte.

Andrea Pirlo, der Mann mit der permanenten Gesichtslähmung, glaubt, dass die Deutschen vor Italien Angst haben. Weil sie die „Squadra Azzurra“ noch nie in einem Turniermatch bezwingen konnten. 0:3 steht es im direkten Vergleich.

Bei der WM 2006 beendeten die Italiener mit einem 2:0-Sieg in der Verlängerung das deutsche Sommermärchen. War auch ein Semifinale. Der Stachel sitzt tief, Lahm, Klose und Schweinsteiger waren schon damals dabei.

Terrorgefahr. Die Polizei in Warschau wurde wenige Stunden vor dem EM-Halbfinalspiel zwischen Deutschland und Italien in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Eine Polizeipatrouille entdeckte auf einem Fluss ein mit Sprengstoff beladenes Floß.

20.000 Fans aus Deutschland und rund 10.000 Tifosi werden zum EM-Halbfinale in Warschau erwartet.

 
 

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