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Aufklärerin im Schmuddel-Eck
© ZDF: Beate Uhse / Franka Potente als Beate Uhse.

Aufklärerin im Schmuddel-Eck

Wer heute den Namen Beate Uhse hört, der denkt gewöhnlich an Sexshops. Das dürfte sich auch mit diesem Film nicht ändern.
Veröffentlicht:
09.10.2011
 

"Beate Uhse – Das Recht auf Liebe": Sonntag, 09.10., 20.15 ZDF

Schleswig-Holstein, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Hier hat eine junge Witwe mit Flugerfahrung, gerade samt zweijährigem Sohn im selbst gesteuerten Flugzeug von Berlin nach Norddeutschland geflohen, die Idee ihres Lebens: In einer Zeit, in der viele Menschen „Knaus-Ogino“ noch nicht einmal buchstabieren können, beginnt Beate Uhse mit Beratungen in Sachen Verhütung. In den folgenden Jahren verkauft sich ihre gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann Ewe Rotermund herausgegebene „Schrift X“ so gut, dass damit das Startkapital für eine eigene Firma verdient war.

Anleitung zur Unzucht?
Nachdem in den 1950er Jahren schon die Kataloge des „Versandhauses Beate Uhse“ ins Visier der Moralhüter geraten waren, beschäftigen sich die Gerichte in den Sechzigern noch heftiger mit den Produkten „zum unzüchtigen Gebrauch“, die das Flensburger „Fachgeschäft für Ehehygiene“ vertreibt. Insgesamt sieht sich Uhse mit nahezu 2.000 Anzeigen und Klagen konfontiert, die im Jahr 1969 zu einem legendären Prozess führen. Es kommt zum Showdown zwischen Uhses Strafverteidiger Georg Tauber und seinem ewigen Kontrahenten Staatsanwalt Martin Volke – den Tauber bekanntlich für sich entscheiden konnte. Der umstrittene „Unzuchtsparagraph“ 184 wird drei Jahre später zum Großteil ersatzlos gestrichen.

Frauenrecht vs. Pornographie
Dass Uhse keine „gute“ Frauenrechtlerin war und einen großen Teil ihres Geschäftes mit pornographischem Material machte, wurde ihr nicht nur von katholischen Familienverbänden und der feministischen Zeitschrift „Emma“ (die die PorNO!-Kampagne lancierte) übel genommen. Uhse-Darstellerin Franka Potente bringt die Zwiespältigkeit auf den Punkt: „Einerseits half sie den Frauen, ihre sexuellen Bedürfnisse auszuleben, andererseits verkaufte sie Artikel, in denen Frauen zum Objekt degradiert werden.“ Dieser Umstand wird die Sicht auf Beate Uhses Kampf für Frauenrechte und Gleichberechtigung wohl auf ewig verstellen.

 

Beate-Uhse2_pd_OKDem Biopic "Beate Uhse – Das Recht auf Liebe" – Regie: Hansjörg Thurn („Isenhart – Auf der Jagd nach dem Seelenfänger“, „Die Wanderhure“) – folgt die Doku "Beate Uhse: Sex made in Germany", 22.05 Uhr:

„Sex sells“ – dieses simple Motto machte Beate Uhse (1919–2001) zu einer der erfolgreichsten Unterneh­merinnen der Bundesrepublik. Erst verkaufte sie die Verhütungsmethode nach Knaus-Ogino, dann Kondome, Pornographie und schließlich „Sexspielzeug“ in allen Varianten. In der Doku begeben sich Wegbegleiter und Verwandte auf die Spuren sowohl der privaten Uhse als auch der Geschäftsfrau. Deren lapidare Begründung für ihren Einstieg ins Pornogeschäft lautete: „Weil ich als Unternehmerin alles anbieten muss.“

 
 

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