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Before Night Falls

Before Night Falls
Teaser:
Julian Schnabel erzählt in seinem Film "Before Night Falls" die von Armut, Zensur, Verfolgung und Exil bestimmte Lebensgeschichte des 1943 in Kuba geborenen und 1990 im Exil gestorbenen Schriftstellers Reinaldo Arenas (Javier Bardem).
Veröffentlicht:
27.01.2004
Reinaldo wächst in ärmlichen und provinziellen Verhältnissen auf. Seine schulische und intellektuelle Ausbildung verdankt er dem Regierungsprogramm zur Erziehung und Ausbildung der Jugend, das während der kubanischen Revolution 1959 ins Leben gerufen wurde.

Aber nicht nur die politische Revolution, auch die zeitgleich sich Bahnbrechende sexuelle Revolution schlägt den jungen Reinaldo in ihren Bann: Er taucht in die sinnesfreudige und pulsierende homosexuelle Subkultur Havannas ein.

Seine erste Novelle wird aber die einzige im zunehmend von Repression gegen Künstler und Homosexuelle geprägten Kuba publizierte Schrift bleiben. Schon sein zweites Werk fällt unter die Zensur und muss außer Landes geschmuggelt werden. Da diese Schrift in Frankreich publiziert und prompt mit einem Literaturpreis ausgezeichnet wird, gilt er von nun an als Feind der kubanischen Sache.

Die anfängliche Begeisterung für die Revolution weicht zunehmend einer Desillusionierung. 1973 wird seine Arbeit konfisziert und er selber gefangen genommen und zwei Jahre lang in das berüchtigte Gefängnis El Morro gesteckt...

Der Film wurde 1999 in nur 60 Tagen in Mexiko gedreht. Er orientiert sich an den 1993 auf englisch publizierten Memoiren "Before Night Falls" (dt. "Bevor es Nacht wird", 2002) und anderer von Reinaldo Arenas verfasster Schriften.

Der Film ist hierbei bis in die Nebenrollen mit herausragenden Charakterdarstellern besetzt. So brilliert Jonny Depp in einer skurrilen und überraschenden Doppelrolle als Transvestit Bon-Bon und Leutnant Victor. Bon-Bon hat die ehrenvolle Aufgabe, Arenas Schriften - in seinem Anus versteckt - aus dem Knast zu schmuggeln.

Javier Bardem wurde für seine packende und emotional glaubhafte Darstellung des Reinaldo Arenas für den Oscar nominiert.

Die Verfilmung des Stoffs durch Julian Schnabel ("Basquiat", 1996) ist nicht weniger als eine Hommage an die befreiende Kraft der Kunst, der Liebe und des inneren Drangs schöngeistiger Naturen, deren Kraft sich aus Durchhaltevermögen und Hoffnung speist.
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