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Interview mit Wanja Mues

Interview mit Wanja Mues
Veröffentlicht:
02.11.2010
Neu bei "Kommissar Stolberg"
Herr Mues, Sie haben nunmehr die ersten vier Folgen der Reihe "Kommissar Stolberg" in der Rolle des Kommissars Nico Schreiber abgedreht. Wie fanden Sie Ihre bisherige Drehzeit?
Meine bisherige Drehzeit war eine angenehme, entspannte und sehr effektive Zeit. Ich bin in ein bestehendes Team gekommen, das sich untereinander schon lange kennt und gut versteht, sowohl das Team hinter als auch vor der Kamera. Es herrscht eine sehr familiäre Arbeitsatmosphäre, in die ich mich mit Freude eingefügt habe. Ich hatte bisher also eine richtig tolle Zeit.
Und Rudolf Kowalski ist ein echter Komödiant. Es gibt während der Proben hin und wieder Momente, in denen der Clown aus ihm heraus bricht, und dann wird Stolberg fast zu Buster Keaton. Das macht Rudolf aus purem Spaß, einfach um alle ein wenig zum Lachen zu bringen.

Sie sind, ebenso wie Nico, der Neue in einem eingespielten Team. Nico hatte gewisse Anlaufschwierigkeiten, war dies bei Ihnen auch der Fall?
Es wurde mir nicht leicht gemacht, diese Rolle zu bekommen. Ich wurde in mehreren Castings auf Herz und Nieren geprüft, aber in dem Moment, als die Entscheidung für mich fiel, wurde ich Teil dieses ein- gespielten Teams. Ein gutes Team merkt schnell, ob der Neue, um im Fußball-Jargon zu bleiben, den Ball halten kann, ab und an `ne gute Flanke schlägt und einen passablen Schuss drauf hat. Und wenn dies der Fall ist, wird man schnell von allen im Team angenommen. So war das bei uns auch. Nico, der jahrelang als verdeckter Ermittler, sozusagen auf eigene Faust, tätig war, hatte (und hat) natürlich weitaus größere Schwierigkeiten, sich in sein neues Team einzufügen.

Worin besteht für Sie das Besondere an der Zusammenarbeit mit den Schauspielerkollegen Rudolf Kowalski und Annett Renneberg?
Ich gehe gerne zur Arbeit. Ich weiß, dass dort Menschen sind, die mich mögen und die ich sehr mag. Meine beiden Kollegen sind sehr nette, am Boden gebliebene Schauspieler. Den beiden geht es stets um die Sache, nie um persönliche Eitelkeiten. Wir haben alle drei ähnlich hohe Qualitätsansprüche an unsere Arbeit und versuchen diese auch gemeinsam umzusetzen.

Wie würden Sie Kommissar Stolberg und sein Team beschreiben?
Stolberg ist König Artus, und wir sind seine Tafelrunde. Dieses Bild funktioniert für mich am besten. Stolberg ist wie ein gerechter, weiser König, der über den Dingen steht und der Entscheidungsbefugnisse hat. In gewisser Weise ist Stolberg mehr als nur ein Chef. Und wir, seine Ritter der Tafelrunde, kämpfen für ihn. So kenne ich es jedenfalls aus den Sagen, die ich früher sehr geliebt habe. König Artus hat für seine Ritter auch etwas väterliches, genau wie Stolberg. Beide sind Identifikationsfiguren, von denen die jungen Mitstreiter etwas lernen wollen, gegen die sie natürlich auch immer wieder rebellieren möchten. Dr. Voskort ist in dieser Konstellation quasi Merlin, sie zaubert oftmals eine Spur aus ihrem Pathologenkittel und treibt so den Fall voran.

Was reizt Sie an dem Krimi-Genre? Sind Sie privat auch ein Krimifan?
Ich bin auf jeden Fall ein Krimi-Fan. Aber bei den vielen Krimis, die es auf dem Markt gibt, hat man als Konsument leider oft den Eindruck, nicht ernst genommen zu werden, weil man als krimigeschulter Zuschauer oft schon viel zu früh weiß, in welche Richtung die Handlung geht. Diesen anspruchsvollen Zuschauer zufrieden zu stellen, stellt für mich die größte Herausforderung an einen guten Krimi dar. Eine Krimi- Reihe, so wie "Kommissar Stolberg" herzustellen, ist für mich die Königsdisziplin. Seit vier Jahren hält "Kommissar Stolberg" ein sehr hohes Niveau, das mit der neuen Staffel weitergeführt und weiter gehalten wird.

Worin unterscheidet sich Ihrer Meinung nach das Format "Kommissar Stolberg" von anderen Krimis?
"Kommissar Stolberg" ist ein einzigartiges Format. Ich würde es vergleichen mit den skandinavischen Krimis oder mit den Meisterstücken des französischen Kriminalfilms. Kommissar Stolberg ist ein ruhiger, beobachtender, sehr analytischer Mensch, der nur selten etwas von sich preisgibt. Wenn er es dann doch tut, merkt man, dass in der Figur eine unglaubliche Tiefe und Vielschichtigkeit steckt.
Genau das packt den Zuschauer und macht es auch für mich so faszinierend, Rudolf Kowalski als Schauspieler und Stolberg als Kommissar bei der Arbeit zuzusehen. Außerdem haben wir hervorragende Episodendarsteller, die uns immer wieder zu schauspielerischen Höchstleistungen anspornen. Die Geschichten sind spannend, vielseitig und visuell brillant inszeniert, und sie nehmen immer wieder Anleihen aus meinem Lieblings-Genre, dem Film Noir. Dadurch werden die Geschichten nie langweilig oder leicht vorhersehbar.

Wie haben Sie sich auf die Rolle des Nico Schreiber vorbereitet?
Ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn man erwähnt, dass Nico mal als verdeckter Ermittler gearbeitet hat. Durch meine Arbeit an der Serie "GSG 9" habe ich jemanden kennen gelernt, der viele Jahre seines Lebens als verdeckter Ermittler zugebracht hat.
Mit ihm habe ich mich dann getroffen und habe mir erklären lassen, worin der Unterschied zwischen einem normalen und einem verdeckten Ermittler besteht. Bei unserem ersten Treffen waren wir in einem griechischen Restaurant, wo ich ihm den, meiner Meinung nach, besten Platz am Tisch anbieten wollte. Und er meinte bloß "Nie mit dem Rücken zum Fenster." Er ist seit Jahren kein verdeckter Ermittler mehr, aber einige Sachen stecken bei ihm immer noch in Fleisch und Blut.
Ein verdeckter Ermittler checkt zum Beispiel immer zuerst den Raum: Wo sind die Toiletten und die Notausgänge? Welche Leute sitzen wo und wie viele sind es? Außerdem hat er die Tür immer im Blick, damit er sieht, wenn jemand den Raum betritt. Auch muss ein verdeckter Ermittler eine wasserdichte "falsche" Biografie haben oder zum Beispiel bestimmte Viertel meiden, in denen er auf Freunde und Bekannte von früher treffen könnte, immerhin geht es um Leben und Tod.
Genau das überträgt sich auch auf die Zeit nach der Tätigkeit als verdeckter Ermittler. Diese Typen brauchen oft lange, um wieder zurück zu finden ins alltägliche Leben oder in den normalen Polizeidienst.

Erzählen Sie uns von Nico. Was für ein Mensch ist er? Welche Besonderheiten zeichnen seinen Charakter aus?
Nico geht manchmal mit dem Kopf durch die Wand, redet schneller als er denkt und entscheidet sich hin und wieder bewusst dafür, an den Dienstvorschriften vorbei zu handeln. Es geht ihm um schnelle Resultate. Er ist sehr impulsiv, ein Bauchmensch, aber liebenswert. Als verdeckter Ermittler ist man ein einsamer Wolf, aber Nico sehnt sich ins- geheim doch nach einer Familie. Er bewundert Stolberg für seine Ruhe, seine Klarheit und seinen analytischen Blick. Eigentlich wäre Nico gerne selber so, aber gleichzeitig will er Stolberg Paroli bieten und damit sagen "Es muss hier mal ein anderer Wind rein." Die beiden ergänzen sich eigentlich ganz gut.

Wie viel von Wanja Mues steckt in Nico Schreiber? Denken Sie, dass Sie Ähnlichkeiten mit Nico haben?
In der Arbeit an und mit der Figur steckt natürlich 150 Prozent meiner Konzentration und Vorbereitung. Ich hatte mal einen Regisseur, der sagte, eine Figur muss zu 80 Prozent aus dem Schauspieler bestehen und zu 20 Prozent aus der Rolle. Als ich dann in New York Method Acting studiert habe, wurde gesagt, man muss mit der Rolle verschmelzen, also die Rolle muss 100 Prozent zu einem selber werden oder man selber 100 Prozent zur Rolle. Ich glaube, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Es kommt auch auf die einzelnen Szenen und die Konstellation in den Büchern an. Im richtigen Leben würde Nico eine große Scheibe Wanja gut tun. Und ob ich hin und wieder mal eine Scheibe Nico mit nach Hause nehme, bleibt mein Geheimnis.

Sie standen bereits als Jugendlicher vor der Kamera. Stand damals schon fest, dass Sie Schauspieler werden wollen, oder gab es zwischendurch auch andere Berufswünsche?
Da ich als Kind eines Schauspielers auf die Welt gekommen bin, habe ich schon sehr früh gesehen, welche Privilegien damit verbunden sind und welche Schattenseiten der Beruf aber auch mit sich bringt. In meiner Jugend war allerdings nie ein Leistungsdruck mit meiner Schauspielerei verbunden, es war eher wie Abenteuerurlaub einen Film zu drehen oder bei Papa auf der Bühne zu stehen. Die Entscheidung kam erst nach dem Abitur. Klar geht man durch eine Phase, in der man Detektiv werden will oder Arzt, aber als ich dann erwachsen genug war eine Entscheidung zu treffen, war mir klar, dass man als Schauspieler alles sein kann. Man schlüpft für kurze Zeit in viele verschiedene Berufe, Rollen, Figuren, Menschen, und das macht mir eigentlich am meisten Spaß, niemals das Gleiche zu wiederholen, sondern immer wieder Neues auszuprobieren. Manchmal hat man Monate lang gar keinen Job, aber dann klingelt plötzlich das Telefon und man darf Kommissar werden oder Mörder. Das ist schon sehr prickelnd.

Welche Rolle oder welchen Charakter würden Sie gerne einmal spielen, und mit welchem Kollegen würden sie gerne einmal drehen?
Es gibt einen Schauspieler, mit dem ich sehr gerne einmal spielen würde und zwar Götz George. Und zu meinen Traumrollen fallen mir außerdem drei Filme und drei ganz unterschiedliche Figuren ein: Einer meiner Lieblingsschauspieler, Edward Norton, hat in dem Film "Fight Club" eine faszinierende Rolle. Dann gibt es "Brokeback Mountain", dieses Cowboy-Drama, so etwas wäre auch eine Herausforderung für mich, ebenso wie Christian Bales Rolle in dem Film "Der Maschinist".

Interviews

Interview mit Wanja Mues
Interviews, 02. November 2010
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