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Interview mit Corinna Harfouch, Matthias Brandt, Adrian Topol

Interview mit Corinna Harfouch, Matthias Brandt, Adrian Topol
Veröffentlicht:
29.09.2010
"Wir hatten sofort einen Draht zueinander"
Was hat Sie gereizt, bei "Tod einer Schülerin" mitzuspielen?

Corinna Harfouch: Das waren in erster Linie Mark Schlichter und Matthias Brandt, mit denen ich gerne zusammen arbeiten wollte. Und die Rolle hat mich natürlich auch gereizt.
Matthias Brandt: Ich hatte mir schon lange gewünscht, mit Corinna Harfouch arbeiten zu können und bin sehr froh, dass das jetzt im Rahmen dieser Geschichte geklappt hat.
Adrian Topol: Es gab ein Casting für meine Rolle. Ich habe zum ersten Mal im Leben mit jemandem gespielt, der das Down-Syndrom hat. Das war eine interessante und tolle Erfahrung, und die Arbeit beim Casting mit Regisseur Mark Schlichter war super. Wir hatten sofort einen Draht zueinander. Ich habe die Tragweite und die Intensität meiner Rolle spüren können. Das alles waren super Aussichten auf einen tollen Fernsehfilm.

Welchen Aspekt der Film-Stoffes finden Sie besonders bemerkenswert?

Matthias Brandt: Interessant finde ich, wie eine sehr persönliche Krise auf einmal öffentlich wird. Und wie dadurch die eigentlich Beteiligten gar keine Möglichkeit mehr haben, einen eigenen Weg zu finden, mit der Situation umzugehen. Ein Großteil der Spannung kommt für den Zuschauer nicht nur aus der Frage nach dem Täter, sondern auch aus dem, was zwischen den Familienmitgliedern zu beobachten ist an Liebe, Verletzungen, Vertrauen, Misstrauen, Nähe, Distanz. Die Bergers werden ja in eine Situation extremer Anspannung katapultiert, von Null auf Hundert sozusagen. Das ist schon interessant zu schauen, wie die darauf reagieren. Und zwar sowohl als Ganzes wie auch in jeder einzelnen Beziehung innerhalb dieser Familie.

Wie empfinden Sie Familie Berger in ihrem Umgang miteinander?

Corinna Harfouch: Da ist viel Ungeklärtes und Ungesagtes in der Familie. Das führt ja letztendlich auch zu dem Misstrauen und dem Unbehagen, das immer weitere Kreise zieht und alle ergreift. Von außen scheint das schon so eine Idealfamilie zu sein, die aber durch die fehlende Kommunikation völlig ausgehöhlt wirkt.
Adrian Topol: Die ganze Familie kommuniziert nicht richtig miteinander. Es herrscht ein großer familiärer Druck. Liebe und Leidenschaft sind der Ordnung und der Funktionalität gewichen. Keiner hört mehr dem anderen richtig zu. Dazu kommt noch ein Kind, das das Down-Syndrom hat. All diese Probleme erfordern eine gewisse Routine und erschweren dadurch den Umgang miteinander.

Wie ist ihr persönliches Verhältnis zu der Figur, die Sie gespielt haben? Mögen Sie Susanne Berger?

Corinna Harfouch: Ich frage mich nicht, ob ich eine Rolle mag oder nicht. Ich finde, dass sie in der Situation, in der sie sich plötzlich wiederfindet, durchaus verständlich reagiert. Sie möchte ihre Familie retten und glaubt, dass Ehrlichkeit und komplette Offenheit ihr da weiterhilft. Dass sie diese unbedingte Ehrlichkeit dann kaum ertragen kann, damit hat sie nicht gerechnet.
Was am Verhalten von Alex Berger können Sie persönlich nachvollziehen, was nicht?
Matthias Brandt: Vorstellen kann ich mir prinzipiell erstmal alles. Ich glaube, das muss man in unserem Beruf auch, zumindest, wenn man ein Interesse daran hat, auch Grenzsituationen auszuloten. Die Frage, was das mit meinem privaten Leben zu tun hat, stelle ich mir dabei eigentlich nicht. Ich muss eine Figur, die ich spiele, auch nicht mögen in dem Sinne, dass sie mir sympathisch ist. Wichtiger ist mir, dass sie insofern gut geschrieben ist, als dass ich an ihr Denken und Handeln anknüpfen kann.

Und wie ging es Ihnen mit Benedict Berger?

Adrian Topol: Benedict ist ein Rebell, aber nicht ohne Grund. Ein Junge, aufgewachsen in "geordneten" Verhältnissen, der seinen eigenen Weg gehen möchte und nicht den für Ihn vorgefertigten seiner Eltern. Gegen den Willen seines Vaters entscheidet er sich für eine Handwerksausbildung und nicht für das Studium. Verstanden fühlt er sich nie. Er lebt quasi in einer parallelen Welt, ohne dass seine Eltern es wirklich mitbekommen. Das Interessante für mich als Schauspieler war, mich wieder in dieses Alter hineinzuversetzen. Als Jugendlicher ist die Sichtweise auf das Leben noch sehr emotional geprägt. Alles scheint möglich und offen. Manche Erfahrungen werden zum ersten Mal gemacht und sind dadurch hoch intensiv.

Im Film wird die politische Problematik von Massengentests angedeutet: Das Dilemma zwischen dem Wunsch, einen Täter dingfest zu machen und der Angst vor einem möglichen Daten-Missbrauch. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Adrian Topol: Ich habe eine gespaltene Meinung zum Massengentest. Auf der einen Seite halte ich den Test für unglaublich praktisch und auf der anderen für gefährlich. Wo wird die Grenze gezogen zwischen Freiheit und Sicherheit? Wenn wir alle wie ein offenes Buch gelesen werden können, wo ist dann noch die Privatsphäre? Heiligt der Zweck die Mittel? Was wird mit den Daten gemacht? Ich bekomme Bauchschmerzen, wenn ich nur an die gestohlene Daten-DVD denke, die unser Finanzamt gekauft hat.

Matthias Brandt: Ich glaube, dass das wirklich ein hochkompliziertes und schwer zu beurteilendes Thema ist, bei dem sich zumal die Betrachtungsweise in dem Moment, wo man, wie die Eltern des ermordeten Mädchens im Film, Betroffener ist, diametral ändern kann. Natürlich will man dann, dass alle Möglichkeiten zur Ermittlung und Ergreifung des Täters ausgeschöpft werden. Privat lege ich auf die Wahrung meiner bürgerlichen Rechte und meiner Privatsphäre schon sehr großen Wert und möchte diese unbedingt unangetastet wissen.

Zu den Dreharbeiten: Welchen Einfluss hatte es aus Ihrer Sicht auf die Situation am Set, dass mit Max Dominik jemand mitspielte, der das Down-Syndrom hat?

Corinna Harfouch: Ich glaube, dass es da eigentlich keinen Unterschied gibt. Bei jedem Dreh kommt man mit vielen verschiedenen Menschen zusammen, auf die man sich auf die eine oder andere Art einstellen muss. Wir hatten sehr viel Spaß, und es war eine Freude, mit Max zusammenzuarbeiten.
Matthias Brandt: Max ist ein wunderbarer Kollege und wir haben, glaube ich, alle von seiner Offenheit und Spontaneität profitiert.
Adrian Topol: Mit Max zu spielen war immer ein Abenteuer. Er hat beim Spielen die Situation als echt empfunden. Um Max nicht zu verunsichern, haben wir ihm wichtige Details der Geschichte, die gegen Ende des Films herauskommen, vorenthalten. Da er nur bedingt Szenen wiederholen konnte, wurden geschriebene Szenen auch immer wieder einmal improvisiert. Ich liebe ja die Improvisation, weil sie einem Freiheit gibt, die aber auch eine Gefahr sein kann. Das macht es so spannend.

Und haben Sie den fertigen Film schon gesehen?

Adrian Topol: Ich habe den Film zum ersten Mal auf dem Münchner Filmfest gesehen. Man hat mir gesagt, dass die Vorstellung schon nach kurzer Zeit ausverkauft war. Während der gesamten Aufführung des Films schien das Publikum gespannt zu sein, bis zum Ende. Ich hatte das Gefühl, dass der Film sehr gut angekommen ist. Jetzt bin ich gespannt, wie die Fernsehzuschauer es sehen werden.

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Interview mit Corinna Harfouch, Matthias Brandt, Adrian Topol
Interviews, 29. September 2010
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