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Interview mit Jürgen Klinsmann
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Interview mit Jürgen Klinsmann

"Schnelligkeit ist alles"
Veröffentlicht:
01.06.2010
 
Herr Klinsmann, was haben Sie sich persönlich als RTL-Experte bei der WM in Südafrika vorgenommen?
Wie es meinem Naturell entspricht, will ich die Aufgabe offensiv angehen. Mit viel Spaß und Freude. Wir haben bei RTL ideale Voraussetzungen: Unser Team ist sehr offensiv angelegt, mit einer großen Lebensfreude und einer positiven Grundeinstellung.

Wie nahe dran an Spielern, Mannschaften, Trainern und Funktionären sind Sie vor Ort in Südafrika?
Das kann man sicherlich nicht messen. Aber klar ist: Ich bin noch immer sehr nah dran. Bei der deutschen Mannschaft habe ich ja einen Großteil der Spieler noch selbst trainiert – aber auch meine Verbindungen nach Italien, Frankreich, England oder auch in andere Länder sind ja nie abgerissen. Erst vor kurzem habe ich mich zwei Mal mit Cesar Luis Menotti getroffen, der ja mein Trainer bei Sampdoria Genua war. Da lernt man immer dazu – und dies schafft auch Nähe zu anderen Nationen und Denkweisen.

Sie haben drei Weltmeisterschaften als Spieler und eine als Trainer erlebt. Wie ist es, die WM 2010 nun als TV-Experte und damit gewissermaßen auf der anderen Seite zu erleben und zu kommentieren?
Ich wehre mich dagegen, dies mit Lagerdenken zu erklären. Es geht mir nicht darum, zu erklären, wie es auf der einen oder der anderen Seite ist. Eine Weltmeisterschaft ist etwas Faszinierendes und jeder, der teilnimmt, sollte in seiner Aufgabe all seine Erfahrungen und sein Wissen einbringen. Ich bin in Südafrika im Auftrag von RTL und sehe mich deshalb verpflichtet, für den RTL-Zuschauer alles einzubringen, was ich einbringen kann.

Als Trainer haben Sie die Meinungen und Kritiken anderer Experten auch über Sie wahrgenommen. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus für Ihre Tätigkeit als RTL-Experte, der sicherlich auch Spieler und Trainer kommentieren soll?
Unsere Sendeform hat nichts mit Meinungen und Kritiken anderer Experten zu tun. Jeder Experte präsentiert sich so, wie es seinem Naturell entspricht. Ich habe als Trainer keine anderen Trainer, keine Schiedsrichter oder auch Spieler angegriffen – und dementsprechend bin ich auch als Experte kein „Haudrauf“. Ich will keine Urteile der Schlagzeilen willen, sondern mir geht es um die sachliche Auseinandersetzung. Ich muss und will mich nicht als Experte profilieren, sondern ich will den Zuschauern von RTL einen bestmöglichen Service bieten.

Was erwarten Sie sich sportlich von der WM in Südafrika. Wird der Offensivfußball weiter auf dem Vormarsch sein?
Es ist weniger davon abhängig, ob man offensiv oder defensiv spielt, sondern es wird auf die Schnelligkeit des Spiels ankommen. Man kann die verschiedenen taktischen Ausrichtungen völlig unterschiedlich interpretieren und es ist auch oft ein subjektives Gefühl, was offensiv und defensiv ist. Aber es wird wichtig sein, möglichst schnell vor das gegnerische Tor zu kommen. Bevor sich die gegnerische Abwehr wieder formiert hat.

Kann eine Mannschaft mit den Grundtugenden Kampf, Moral und Teamgeist heute noch ganz vorne mitspielen bei einer WM?
Ohne diese Grundtugenden kann sie sicherlicht nicht vorne mitspielen. Aber diese Grundtugenden alleine reichen bei weitem nicht. Was man früher als „deutsche Tugend“ bezeichnet hat – das ist heute Standard, das haben alle Teams. Aber diese Weltmeisterschaft hat ohnehin andere wichtige, nicht zu unterschätzende Kriterien. Denn in Südafrika ist mit einigen Unwägbarkeiten zu rechnen, Wetter, Klima, Höhenluft, Lagerkoller, Trainingsbedingungen – da benötigt jedes Team auch eine große Portion Widerstandskraft.


Welche Chancen hat das deutsche Team auch mit Blick auf die Auslosung und den möglichen Weg in die Endrunde?
Mir gefällt es, dass in der deutschen Mannschaft das Ziel Weltmeister ausgegeben wurde. Das muss immer der Anspruch der deutschen Mannschaft sein. Ich glaube auch, dass die Mannschaft top vorbereitet sein wird. Die Gruppengegner sind nicht zu unterschätzen, aber ich denke schon, dass sich Deutschland durchsetzen wird. Und wie groß bei den K.o.-Spielen der Faktor Glück und Pech sein kann, haben wir ja bei der WM 2006 erlebt. Erst gegen Argentinien – dann aber leider auch gegen Italien.

Wer sind Ihre Favoriten für das Halbfinale?
Kann ich bei dieser Frage den Telefonjoker nehmen und Günther Jauch oder Jürgen Klopp anrufen? Gute Aussichten haben die üblichen Verdächtigen wie Brasilien, Spanien und Deutschland. Dann mischen sicherlich auch noch England und Argentinien mit. Und persönlich hoffe ich auf eine afrikanische Mannschaft – zum Beispiel die Elfenbeinküste. Das wäre ein großes Zeichen für den Fußball.
 
 

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