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Interview mit Henning Baum

Interview mit Henning Baum
Veröffentlicht:
06.04.2010
Neue Sat.1-Serie: "Der letzte Bulle"
Die Serie spielt in Essen, Ihrem Geburts- und derzeitigen Wohnort. Wird die Serie dem Essener Menschenschlag gerecht?
Ich denke, wir haben das ganz gut abgebildet. Mit mir und Tatjana Clasing, die die Wirtin spielt, über deren Kneipe Mick wohnt, sind schon zwei Essener in wichtigen Rollen vertreten. Die Menschen hier sind geprägt vom Bergbau. Die Bergleute mussten sich unter Tage absolut aufeinander verlassen können und folglich ihre Konflikte oben klären. Da gab es klare Ansagen und ab und zu auch ein paar auf die Schnauze, dann war alles wieder gut. Intrigen und ständiges Taktieren gibt es hier nicht. Die Leute sind geradeaus, manchmal schroff, aber immer herzlich.

Ist das die perfekte Beschreibung von Mick Brisgau?

Mick ist ein Odysseus unserer Zeit. So wie Odysseus als junger Mann von seiner Insel Ithaka in den Krieg zog, lieferte sich Mick Schlachten im Dienst der Polizei – was für ihn mit einem Kopfschuss endete. Er lag 20 Jahre im Koma, Odysseus verbrachte 20 Jahre in Troja und auf See. Micks "Penelope", seine Frau Lisa, hat allerdings nicht so lange auf ihn gewartet. Das tut Mick weh, er trauert um die verlorene Liebe, aber er respektiert Lisas Entscheidung. Und er kämpft, um sich sein altes "Königreich", sein Leben von früher zurückzuholen. Er schafft das nur, weil in ihm eine Art Kernkraftwerk brennt, gepaart mit einem Schuss Wahnsinn.

Mick kennt weder Handys noch Internet, hasst Anglizismen und wundert sich, dass Freddy Mercury tot ist. Ist das eher Fluch oder Segen?

Wir sehen manchmal gar nicht, wie bizarr sich manches entwickelt hat. Mick schon, er ist der gleiche geblieben wie vor 20 Jahren. Er gibt einer Kollegin einen Klaps, weil er einen guten Hintern an einer Frau noch zu schätzen weiß. Das ist keinesfalls böse gemeint, er ist kein Macho im negativen Sinn, sondern ein richtiger Kerl. Er streitet mit der Psychologin, steht ihr aber auch bei, als es ihr schlecht geht.

Brauchen wir mehr Typen wie Mick Brisgau?

Man kann sich zumindest vieles von ihm abschauen. Durch seinen unverstellten Blick führt er viele heutige Phänomene ad absurdum – ähnlich wie "Crocodile Dundee", als dieser aus dem Busch in die Großstadt kommt. Mick sagt alles frei heraus. In einer Folge geht es um eine Seitensprung-Agentur, Mick tituliert den Laden kurzum als modernen "Puff". Ich mag seine ehrliche, gerade Art, man kann sich auf ihn verlassen. Er ist eben das Gegenteil einer Lusche.

Sie sind körperlich sehr präsent. Ist das Ihr großes Plus, Ihre Marktlücke?
Ich weiß, wie ich mich fit halten muss, mache viel Gymnastik, boxe regelmäßig. Allerdings werden diese Qualitäten in Deutschland viel zu wenig abgerufen – und ich spreche nicht von platter Hau-drauf-Action. Man sollte viel mehr physische Elemente in Filme integrieren, aber viele Autoren meiden das geradezu. Götz George hat das in den alten Schimanski-Filmen noch gedurft, aber seitdem nur noch wenige. Mir fehlen solche Typen – und nicht nur im Film.

"Der letzte Bulle", neue Serie mit 8 Folgen: ab 12.4., 20.15 Uhr, Sat.1

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Interview mit Henning Baum
Interviews, 06. April 2010
Die Serie spielt in Essen, Ihrem Geburts- und derzeitigen Wohnort. Wird die Serie dem Essener Menschenschlag gerecht?Ich denke, wir haben das ganz gut abgebildet. Mit mir und Tatjana Clasing, die die Wirtin spielt, über deren Kneipe Mick wohnt, sind schon zwei Essener in wichtigen Rollen vertreten. … mehr >
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