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Unterwegs auf dem Jakobsweg
© ARD

Unterwegs auf dem Jakobsweg

Interview mit Ann-Kathrin Kramer und Elmar Wepper
Veröffentlicht:
16.03.2010
 
Der Film wurde 2009 auf der wohl berühmtesten Pilgerroute der Welt – dem Jakobsweg – gedreht. Hat dieser Weg für Sie persönlich eine Bedeutung?

Elmar Wepper: Natürlich hatte ich so eine vage Ahnung vom Jakobsweg. Man pilgert, bei Regen oder sengender Sonne, übernachtet in überfüllten Herbergen, läuft hunderte von Kilometern und ist dann irgendwann in Santiago de Compostela. Aber vor Ort bekommt der Jakobsweg dann ein ganz eigenes Gesicht. Die Begegnung mit den Pilgern, die Landschaft, die historischen Stätten, auch die körperlichen Mühen, die wir selbst bei den Dreharbeiten erfuhren, das alles prägt sehr intensiv und es beschleicht einen das Gefühl, dass nicht nur du es bist, der diesen Weg macht, sondern der Weg macht auch dich.

Ann-Kathrin Kramer: Wie viele, viele andere Menschen habe auch ich das Buch "Ich bin dann mal weg" von Hape Kerkeling mit Freude und Interesse gelesen. Man bekam beim Lesen große Lust, es ihm nachzutun. Eine wirklich persönliche Bedeutung hat dieser Weg für mich allerdings nicht.

Die Pilgerroute ist nicht nur eine psychische, sondern auch eine physische Herausforderung. Könnten Sie sich vorstellen, den gesamten Weg zu gehen?

Elmar Wepper: Ich habe mich mit Pilgern unterhalten und war erstaunt, dass viele den Jakobsweg über Jahre hinweg in einzelnen Etappen bewältigen. Es geht nicht darum, körperliche Höchstleistungen zu vollbringen, sondern man geht diesen Weg, um sich selbst und dadurch vielleicht zu Gott oder um zu Gott und dadurch zu sich selbst zu finden.

Ann-Kathrin Kramer: Ich kann mir durchaus vorstellen, einen ähnlich anstrengenden Weg zu gehen. Auf dem Jakobsweg ist mir persönlich aber zu viel los. Es ist gerade sehr modern, dort zu pilgern, und die vielen Menschen würden mich zu sehr ablenken von dem Eigentlichen.

Konnte man während der Dreharbeiten etwas von der Spiritualität spüren, mit der der Jakobsweg seit Jahrhunderten aufgeladen ist? Hat die Umgebung etwas Anziehendes?

Elmar Wepper: Das lässt sich schwer in Worte fassen. Bei den Dreharbeiten ist man ja auf viele Dinge konzentriert, die mit dem Jakobsweg direkt nichts zu tun haben und trotzdem gab es immer wieder Momente, wo ich tief berührt wurde: ein Gespräch, eine Kirche, ein Fluss, ein weiter Blick ins Tal.

Ann-Kathrin Kramer: Durchaus! Der Weg, die verschiedenen Landschaften, die Kirchen und Klöster, ja sogar die Pilgerherbergen erzählen viel über die Geschichte des Weges und halten den Atem der vielen Menschen, die ihn seit Jahrhunderten gegangen sind.

Ziel der Reise ist im Film Kap Finisterre – "Das Ende der Welt". Hatten Sie vor Ort tatsächlich das Gefühl vom Ende der Welt?

Ann-Kathrin Kramer: Kap Finisterre ist ein wirklich magischer Ort. Durch seine Lage, die zu fast 70 % von Wasser umgeben ist, hat man tatsächlich das Gefühl vom Ende der Welt. Man kann sich sehr gut in frühere Zeiten hineinversetzen, in Menschen, die vor der Entdeckung Amerikas ihre Pilgerreise dort beendet haben. In dem festen Glauben das auch hinter dem Horizont nichts weiter ist, als Wasser. Das Ende der Welt eben.
 
 

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