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Interview mit Ulrich Tukur

Interview mit Ulrich Tukur

Über den neuen Dieter-Wedel-Zweiteiler "Gier"
Veröffentlicht:
05.01.2010
 
Herr Tukur, hätten Sie Dieter Glanz gern zum Freund?
Wie könnte ich das wollen? Der Mann ist bindungsunfähig und gespalten. Wie alle Hochstapler.

Was fasziniert Sie an ihm?
Schnelligkeit. Intelligenz. Witz. Risikobereitschaft. Charme. All das, was mich zur gleichen Zeit bei ihm auch abstößt, denn diese seine Anlagen dienen nur dem Zweck der Machtfestigung, der Bereicherung, der Durchsetzung seiner gesellschaftlichen Anerkennung und der Rache an denen, die dies verhindern.

Warum fallen Menschen auf Hochstapler wie ihn herein?
Weil Menschen gern hören, was sie hören wollen. Weil sie es lieben, ihre Verantwortung an der Garderobe der Illusionen abzugeben und sich stets danach sehnen, in etwas Größerem aufzugehen. Und weil es tatsächlich auch Menschen gibt, die so überzeugend auftreten, dass man ihnen glaubt, die Erde sei eine Scheibe.

Könnte Ihnen das auch passieren?
Heute wahrscheinlich nicht mehr, aber ich hätte nicht zu allen Zeiten die Hand für mich ins Feuer gelegt.

Glanz wird irgendwann klar, dass er offenen Auges ins Verderben rennt. Warum hört er trotz seiner psychischen und physischen Probleme nicht auf zu betrügen?
Immer wieder setzen Menschen Mechanismen in Gang, die ihre Kräfte schnell übersteigen, und während sie noch glauben, alles unter Kontrolle zu haben, sind sie schon längst auf der rasenden Fahrt in den Abgrund. Bei Glanz ist das Lügen und Geschichtenerzählen so Teil seiner Persönlichkeit geworden, dass er nicht aufhören könnte, ohne als Person zu verschwinden.

"Gier" ist bereits Ihre zweite Produktion mit Regisseur Dieter Wedel. Wie ist die Zusammenarbeit?
Respektvoll, höflich, amüsant. Er mag nicht mit allen Menschen harmonieren, unsere Zusammenarbeit funktioniert jedoch sehr gut. Ich bewundere seine Wutausbrüche und Rage am Drehort, seine Leidenschaft und Kompromisslosigkeit, eine interessante Geschichte mitreißend zu erzählen.

Genauso beeindruckend wie die Schönheit der südafrikanischen Metropole sind die Gegensätze: Kapstadt offenbart Glamour und Not, Hoffnung und Verzweiflung, Reichtum und Armut gleichermaßen. Wie haben Sie dort die Dreharbeiten erlebt?
Südafrika besteht aus zwei Welten, die bis heute weitgehend parallel nebeneinander existieren und sich erst seit zwei, drei Jahrzehnten vorsichtig berühren. Es gibt die weiße und die schwarze Wirklichkeit. Beide habe ich erlebt. Ich war in den Townships mit ihrer Armut und ihrem trotzig-bunten Leben und an Kapstadts eleganter "Waterfront". Es ist ein wunderschönes Land, das sich in einem zerbrechlichen Zustand befindet und dem man nur wünschen kann, von Menschen mit Augenmaß und politischer Klugheit regiert zu werden.

Was bedeutet Ihnen persönlich das Parkett der Reichen und Schönen?
Nichts.

Gier: am 15. Januar ab 20.15 Uhr bei Arte
 
 

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