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Theaterdebüt und TV-Comeback
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Theaterdebüt und TV-Comeback

Doris Schretzmayer im tele-Exklusivinterview
Veröffentlicht:
23.04.2009
 
Treffpunkt Kutschkermarkt, im 18. Wiener Gemeindebezirk. Ein wunderschöner Sommertag in einem durch und durch sommerlichen April. Am Tag der Premiere von „Kottan ermittelt“ nimmt sich Doris Schretzmayer, die in der Bühnenfassung von Helmut Zenkers Kultserie ihre erste Theaterrolle spielt, Zeit für ein ausführliches Gespräch. In den letzten Jahren war es um die versierte Schauspielerin (bekannt u.a. aus der TV-Serie „Die Neue“), Ex-ORF-Moderatorin und Autorin (schreibt u.a. für das Magazin „Fleisch“) etwas ruhig geworden. Der Grund: Söhnchen Nikolai, der im Sommer drei Jahre alt wird. Jetzt allerdings startet die junge Mutter, die von 2001 bis 2006 in Berlin lebte, mit ihrem Bühnendebüt und der Hauptrolle im Fernsehfilm „Detektiv wider Willen“ richtig durch. Im Interview mit tele-Redakteur Franz Jellenerzählt sie, was sie an der Theaterarbeit reizt, wie sie mit ihrer Mutterrolle zurecht kommt und warum sie ohne lange zu überlegen für den neuen TV-Film „Detektiv wider Willen“, der im Herbst in Graz gedreht wurde, zusagte.


Foto: Peter Szentkiralyi


tele: „Kottan ermittelt“ ist ihr erstes Theaterstück, sie haben aber eine abgeschlossene Schauspielausbildung. Hatten sie vorher keine Bühnenerfahrung?

Doris Schretzmayer:
Ich bin ja eine Quereinsteigerin. Angefangen habe ich mit 19 Jahren als Radiomoderatorin, zwei Jahre später ging es dann mit der Schauspielausbildung los. Und dann kam auch gleich das erste Filmangebot von Stefan Ruzowitzky („Tempo“ (1996); Anm. der Red.), gefolgt von der ORF-Serie „Die Neue“. Ich bin dann einfach nicht mehr dazu gekommen, mich ums Theater zu kümmern. Die Theaterarbeit war zwar immer im Hinterkopf, aber ich habe lange Zeit gar nicht so den Mut dazu gehabt. Wenn man es noch nie gemacht hat, ist es schon ein großer Schritt, für den man auch bereit sein muss.

tele: Hatten Sie das Gefühl, etwas versäumt zu haben, das Sie jetzt nachholen?

Schretzmayer:
Auf jeden Fall. Ich habe eine große Sehnsucht danach verspürt, lange in einem Probenprozess drin zu stecken. So sechs bis acht Wochen einem Stück treu zu sein und eine Rolle wirklich genau durchleuchten und aufbauen zu können. Bei Film und Fernsehen muss man ja zum Teil wahnsinnig schnell arbeiten. Und bei „Kottan ermittelt“ ist es jetzt genau so, wie ich es mir immer gewünscht habe. Man trifft sich jeden Tag, hat seine Auseinandersetzungen, schaut, was funktioniert und was nicht funktioniert. Mit Thomas Gratzer ist da auch ein Regisseur, den man schätzt und ernst nimmt. Ich arbeite wirklich gern mit ihm und finde das gesamte Haus richtig super. Es hat zwar mit dem Theater ein bisschen länger gedauert, als ich mir das gedacht habe, aber ich bin froh, dass es sich so gefügt hat.


Foto: Peter Szentkiralyi


tele: In den letzten Jahren gab es ja in Ihrem Leben einige große Veränderungen: Der Umzug nach Berlin, das erste Kind, die Rückkehr nach Wien. Wie stark hat sich das auf  die Karriereplanung ausgewirkt?

Schretzmayer:
Ein Jahr bevor ich schwanger wurde, war ich an einem Punkt, an dem mich plötzlich vieles, was mir angeboten wurde, nicht mehr interessierte. Das ist eine sehr verzwickte Situation, nicht nur für eine Schauspielerin, sondern für jeden arbeitenden Menschen. Ich hatte das Gefühl, ich wiederhole mich nur noch. Aber das Neue und Interessante, das ich brauchte, wurde mir noch nicht angeboten. Ich hab’ dann die Entscheidung getroffen, zwei große Angebote nicht anzunehmen, was natürlich auch eine schwerwiegende finanzielle Entscheidung war. Aber ich dachte mir: lieber schreibe ich zu Hause etwas – ich schreibe ja immer wieder Geschichten für Zeitschriften – und hab’ daneben mit einem englischen Regisseur (Anm. der Red.: Mike Figgis) an einem Experimentalfilm gearbeitet, der übrigens noch nicht abgeschlossen ist. Dazwischen versuchte ich mich mit ein paar anderen Sachen karrieretechnisch über Wasser zu halten. Und als dann Nikolai zur Welt kam, stand sowieso erst einmal das Kind im Vordergrund.

tele:
Und jetzt ist die Zeit für neue Projekte gekommen? Das heißt, Sie können schon ein bisschen loslassen und wieder auf die Karriere schauen?

Schretzmayer:
Ja, ich hab die ersten eineinhalb, zwei Jahre nach der Geburt meines Sohnes kaum etwas gemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so eine Glucke bin (lacht). Irgendwann ist dann allerdings der Wunsch immer stärker geworden, etwas Neues zu beginnen. Das kann  ich ja nicht einfach so abstellen. Aber ein Kind ist etwas Besonderes, ich würde alles genau so wieder machen.

tele:
Im Herbst letzten Jahres standen Sie in Graz schon für „Detektiv wieder Willen“ vor der Kamera. Haben Sie da Ihren Sohn dabei gehabt?

Schretzmayer:
Zum Teil ja. Aber da war er bei meinem Mann. Wenn das Kind bei seinem Vater ist, dann ist es ok. Aber natürlich bin am liebsten selbst bei ihm. Nachdem ich jetzt aber ein Au Pair-Mädchen habe, wird es künftig leichter, ihn mitzunehmen.

tele: Was war für Sie ausschlaggebend, die Rolle in „Detektiv wider Willen“ zu bernehmen?

Schretzmayer: Xaver Schwarzenberger. Er ist ein ganz toller Regisseur, ich wollte schon lange mit ihm drehen. Die Arbeit mit ihm hat auch großen Spaß gemacht. Er ist jemand, mit dem man sich so wohl fühlt, dass die Arbeit unglaublich leicht fällt, wenn man gut vorbereitet ist.


Foto: Sender ORF


tele: Ihre Rolle ist die einer jungen Staatsanwältin, die einen sehr heiklen Fall anvertraut bekommt …

Schretzmayer: Ja, es ist ein Fall, der vor Gericht eigentlich platzt, weil die Beweise weg sind und eine Zeugin plötzlich anders aussagt, als sie ursprünglich ausgesagt hat. Mein Lebensgefährte im Film – auch ein Jurist –rät mir, die Sache erst einmal ruhen zu lassen und den Gang durch die Instanzen gehen zu lassen. Für mich in meiner Rolle als Gerechtigkeitsfanatikerin, als jemand, der wirklich aus tiefster Überzeugung für sein Recht kämpfen möchte, ist das eine Katastrophe. Weil ich weiß, da läuft irgendwas falsch. Und er versucht sozusagen den Mantel des Schweigens über die Sache zu breiten. Dadurch kommt sie (die junge Staatsanwältin, Anm. der Red.) in einen Zwiespalt, denn ihr Lebensgefährte ist älter als sie und hat sehr viel Berufserfahrung. Auf ihn hört sie, ihn nimmt sie ernst. Auf der anderen Seite weiß sie vom Bauchgefühl her: da stimmt was nicht. Und dann tritt ihr Vater auf und sagt: Pass’ auf, ich könnte dir da hinten herum ein bisschen helfen und Detektiv spielen. Die Tochter sitzt also zwischen zwei Stühlen: Vater und Freund.

tele: Wie war Ihr Verhältnis zu Sky du Mont, der im Film Ihren Vater spielt?

Schretzmayer: Sky ist ein absoluter Gentleman. So wie er im Fernsehen wirkt, so ist er auch privat. Sehr angenehm, sehr höflich, sehr zuvorkommend. Und sehr gut aussehend. Mein Typ Mann ist er zwar nicht, aber das muss er ja auch nicht sein. Er spielt ja auch meinen Vater.

tele: So gesehen war es vermutlich einfach, sich in die Tochterrolle hineinzufühlen …

Schretzmayer: Das war wirklich sehr schön, denn dieses Gefühl war durch seine Größe und diese gewisse Überlegenheit und Ruhe, die er ausstrahlt, von Anfang an so da, Ich habe mich immer sehr beschützt gefühlt. Und dieses Gefühl habe ich mir dann gleich auch für die Rolle genommen …

tele: Werden wir Sie schon bald in weiteren TV-Produktionen sehen?

Schretzmayer: Ich drehe im Juli einen weiteren Fernsehfilm, zu dem ich aber noch keine Details sagen darf. Und sollte „Detektiv wider Willen“ beim Publikum gut ankommen, könnte daraus eine TV-Reihe werden.


Foto: Peter Szentkiralyi


tele: Welche der Rollen, die Sie bisher gespielt haben, hat Sie eigentlich am meisten fasziniert?

Schretzmayer (lacht): Die nächste. Immer die nächste. Aber besonders gern hab’ ich die Ordnungsneurotikerin in „Halbe Miete“ gespielt. Ein Kinofilm, der von Wim Wenders produziert wurde, aber leider nie in den österreichischen Kinos gelaufen ist. Ich spiele eine Frau, die sehr zurückgezogen lebt und dann Besuch von einem Unbekannten bekommt. Jemand hat sich irgendwie die Schlüssel zu ihrer Wohnung beschafft. Während sie weg ist, hält er sich in ihrer Wohnung auf und hinterlässt ihr Nachrichten. Das ist ihr am Anfang unheimlich, doch dann findet sie Gefallen daran. Die Rolle find’ ich super, weil das so eine unglaublich verkorkste, verschrobene Frau ist, die so richtig mit sich und der Welt hadert. Das hat mir irrsinnig gut gefallen.

tele: In „Kottan ermittelt“ spielen Sie eine ganz andere Rolle: eine grantige, mieselsüchtige Hausbesorgerin …

Schretzmayer: So eine Rolle hab’ ich mir wirklich einmal gewünscht. Ich bekomme zwar sehr unterschiedliche Angebote, aber diese Person, die ich jetzt am Theater spiele, ist wirklich unglaublich weit weg von mir. Allein wie die redet: breitesten Wiener Slang. Und das ist so eine missgünstige, jähzornige, im besten Sinne proletenhafte Frau – es ist wirklich sehr lustig, das zu spielen. Nur wenn ich den Text zu Hause probe, schau’ ich, dass mein Kind nicht in der Nähe ist. Ich will nicht, dass er diese Sachen nachspricht.

tele: Der österreichische Film hat in letzter Zeit durch den Oscar-Gewinn von „Die Fälscher“ und die Nominierung von „Revanche“ international stark an Bedeutung gewonnen. Wie haben Sie diese internationale Anerkennung erlebt?

Schretzmayer: Prinzipiell freut mich die Aufmerksamkeit total. Für jeden, der davon betroffen war, also Regisseure und Darsteller. Als ich gehört habe, dass „Revanche“ für den Oscar nominiert ist, dachte ich, ich fall’ um! Mit der Uschi Strauss, die in dem Film mitspielt, bin ich ja befreundet. Das geht dann so schnell, man kennt sich aus einer ganz anderen Zeit und patsch: auf einmal ist dieser Film nominiert. Also dieses Gefühl, dass alles möglich ist, das ist schon toll. Und ich glaube, vor zehn Jahren hatte man hier noch viel mehr das Gefühl, dass man von einer offiziellen internationalen Anerkennung weit entfernt ist. Das ist jetzt auf einmal viel näher gerückt. Und das ist natürlich sehr motivierend und erfreulich.

tele: Gibt es aus Ihrer Sicht im Sog der Oscar-Nominierungen im österreichischen Film eine Art Aufbruchstimmung oder mehr Euphorie?

Schretzmayer: Euphorie könnte ich nicht sagen. Ich glaube, euphorisch ist im österreichischen Filmsegment niemand, dafür gibt es zu wenig Geld. Aber es gibt sicher eine gemeinsame Kraft, die größer ist, seit es diese internationale Anerkennung gibt. Vielleicht auch ein größeres Selbstbewusstsein. Aber es überrascht mich ehrlich gesagt nicht, dass der österreichische Film in den letzten drei Jahren so viel Anerkennung bekommen hat. Weil ich das aus Deutschland schon kenne. Ich habe ja sechs Jahre in Berlin gelebt, und da habe ich das so miterlebt, dass sich in Deutschland immer mehr die Überzeugung breit gemacht hat, dass ein guter deutschsprachiger Film ein österreichischer Film ist. Seit Erfolgen wie „Komm, süßer Tod“ oder „Silentium“ sind die österreichischen Filme sehr angesehen. Das war eigentlich immer mein Gefühl in der Branche, deshalb überrascht mich das gar nicht.

tele: Vielen Dank für das Gespräch!
 
 

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