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„Im Trainingsanzug sehen alle gleich aus“

„Im Trainingsanzug sehen alle gleich aus“
© SAT.1
Veröffentlicht:
25.04.2006
Sönke Wortmann im Gespräch
"Freunde für immer – Das Leben ist rund" handelt von Menschen, die auf jedem Bolzplatz zu finden sind. Und erzählt Geschichten, die so originell sind wie eine auf den Punkt getimte Bananenflanke, so schlitzohrig wie ein Heber aus 30 Metern, so treffsicher wie eine Direktabnahme, die genau im Winkel landet.

Die Leidenschaft für den Fußball kommt bei Sönke Wortmann nicht von ungefähr. Schließlich war er selbst mal aktiver Kicker. Als defensiver Mittelfeldspieler bei Westfalia Herne und der Spielvereinigung Erkenschwick hat er in den 80er Jahren selbst an der Profikicker-Karriere geschnuppert, als er in die Zweite Liga aufstieg.

Sönke Wortmann und Fußball – die Kombination hat sich durch das erfolgreiche "Wunder von Bern" etabliert. Wie kam es zu dem Serien-Projekt?
Sönke Wortmann: Sport, auch im Zusammenhang mit Film und Fernsehen, interessiert mich schon lange. Fast genauso lang hatte ich aber mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass Sport bzw. Fußball im Fernsehen und Film nicht funktioniert. Damit wurde ich vor allem vor dem "Wunder von Bern" konfrontiert. Durch den Erfolg des Films war der Weg auch endlich frei für die Serie, die ich schon seit einigen Jahren im Hinterkopf hatte.

Wen wollen Sie mit der Serie erreichen?
S.W.: Alle, denn der Fußball bietet hier nur den Hintergrund für menschlich bewegende, dramatische und komische Geschichten. Es geht um eine Gruppe befreundeter Männer Anfang dreißig, die nicht erwachsen werden wollen, und um deren Frauen, Familien und Freunde.

Die Geschichte scheint zu enden, bevor sie beginnt. In der ersten Folge wollen die "Elf Freunde" plötzlich mit dem Fußball aufhören – ehe die Frauen sie zum Wohl der Familie zum Weitermachen überreden.
S.W.: Fußball ist besonders für Männer oft eine ganz wichtige Sache. Viele spielen in Vereinen oder in lockeren Freizeitligen. Mir gefällt diese stille Übereinkunft zwischen Männern und Frauen, dass das schon okay ist, auch wenn es manchmal Kritik von den Frauen gibt. Die Frauen erkennen aber, dass es für alle noch viel schlimmer wäre, wenn die Männer dauernd zu Hause wären. Sehr klug von den Frauen!

Was ist so wichtig daran, Fußball zu spielen? Hat Fußball eine höhere Bedeutung?
S.W.: Auf jeden Fall. Vom Sport kann man viel fürs Leben lernen. Beim Teamsportler findet eine wichtige Sozialisation statt, Freundschaften entstehen, aber auch Hierarchien, gegen die man sich gelegentlich auflehnen muss. Das Gefühl, dass man zusammen etwas erreichen kann, ist ein gutes Vorbild für die Gesellschaft.

Wie leben Sie heute Ihre Fußball-Leidenschaft aus?
S.W.: Ich gehe zwar relativ selten ins Stadion, gucke mir aber gern große Spiele im Fernsehen an.

Haben Sie einen Lieblingsverein in der Bundesliga?
S.W.: Nein, aber ich bin meistens für die Kleinen und freue mich, wenn sie den Großen ein Bein stellen.

Szenen, in denen die Schauspieler Fußball spielen, scheinen besonders schwierig darzustellen ...
S.W.: Absolut. Allerdings war es beim "Wunder von Bern" viel wichtiger, dass die Darsteller richtig gute Fußballer waren. In "Freunde für immer" sind die fußballerischen Fähigkeiten gar nicht so wichtig. Die Mannschaft spielt lediglich in der Bunten Liga und setzt sich jedes Jahr das Ziel, Vorletzter zu werden. Würden sie zu gut kicken, wäre das nicht mehr glaubwürdig.

Beim Confederations Cup im Sommer 2005 haben Sie die deutsche Nationalmannschaft mit der Kamera begleitet. Gibt es Parallelen im Verhalten von Vollprofis und absoluten Amateuren?
S.W.: Sportlich spielt sich das auf einem völlig anderen Niveau ab, dennoch gibt es einige Parallelen: Es existieren genau die gleichen Hierarchien mit genau den gleichen Schwierigkeiten innerhalb einer Mannschaft. Es gibt Leader und Mitläufer, das hat mit Geld überhaupt nichts zu tun. Im Trainingsanzug sehen die alle gleich aus.

Welche Projekte stehen als Nächstes an?
S.W.: Ich freue mich auf die Dokumentation über die deutsche Nationalmannschaft während der WM 2006. Nach dem "Wunder von Bern" als Heldenepos und "Freunde für immer – Das Leben ist rund" als Serie über den Fußball an der Basis ist das dann eine richtige Trilogie.

Interviews

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Interviews, 25. April 2006
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