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Hasenjagd

Hasenjagd
Teaser:
In der Nacht zum 2. Februar 1945 versuchten circa 500 Häftlinge des KZs Mauthausen in Oberösterreich, aus dem so genannten Todesblock 20 zu entkommen. Es handelte sich fast ausnahmslos um Offiziere der Roten Armee.
Veröffentlicht:
16.08.2006
Geschwächt von Hunger, Folter und Kälte, schafften es nur etwa 150 von ihnen, die Lagermauern zu überwinden und in die umliegenden Wälder zu entkommen. Was folgte, war eine beispiellose Hetzkampagne, die als "Mühlviertler Hasenjagd" bekannt wurde.

Wehrmachtssoldaten, Mitglieder des Volkssturms, SS, SA und aufgehetzte Zivilisten des Mühlviertels verfolgten die Flüchtigen mit Gewehren und Prügeln. Nur neun der entflohenen "KZler" kamen schließlich mit dem Leben davon.

1994 rekonstruierte der österreichische Regisseur Andreas Gruber die "Hasenjagd" in seinem gleichnamigen Spielfilm. Trotz der dargestellten furchtbaren Ereignisse, der Schüsse, der rennenden Menschen, die wissen, dass sie kaum eine Chance haben, ist daraus ein beängstigend stiller Beitrag zum Thema Vergangenheitsbewältigung geworden.

Die entflohenen Häftlinge schreien nicht, sprechen kaum, weil sie wissen, dass sie entdeckt werden könnten. Verbunden mit dem "Sportsgeist" der nationalsozialistischen Jäger wirken die Szenen im Winterwald in erschreckender Weise tatsächlich wie eine Hasenhatz. Ein abstraktes Bild bekommt ein grausig realistisches Gesicht.

Gruber, der unweit von Mauthausen im oberösterreichischen Wels geboren wurde, schrieb auch das Drehbuch zu seinem Spielfilm mit Dokumentarcharakter. Man merkt an jeder Stelle, dass ihm das Projekt eine Herzensangelegenheit war.

Dass er mit akribischer Genauigkeit ein Stück österreichischer Geschichte aufrollen wollte. Dass auch hier – und das kurz vor Kriegsende – ganz normale Menschen zu Mördern wurden. Daneben erzählt er aber auch von Zivilcourage in Zeiten der Hoffnungslosigkeit: Ohne den Mut einiger Bauernfamilien, einzelne versteckte Entflohene mit Nahrungsmitteln zu versorgen, hätte es wohl keinen einzigen Überlebenden gegeben.

Solche Filme laufen nur in Programmkinos, haben wenig Publikum. Unabhängig davon stellen sie extrem wichtige Beiträge zur Vergangenheitsbewältigung dar. Komplettiert durch die Dokumentation "Aktion K", ist der Inhalt der DVD eine lehrreiche Reise in ein schmerzliches Kapitel deutscher und österreichischer Geschichte.
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