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Iris

Iris
Teaser:
Filme über wahre tragische Geschichten sind immer ein Spiel mit dem Feuer. Drückt der Regisseur zu stark auf die Tränendrüsen der Zuschauer, ist er meist schon im Kitsch-Sektor gelandet und läuft Gefahr, die von der wahren Geschichte betroffenen Menschen zu beleidigen. Lässt er dagegen den nötigen Respekt vermissen, das Taktgefühl, so ist die Beleidigung wahrscheinlich noch größer.

Veröffentlicht:
14.04.2003
Die Lebensgeschichte der Romanautorin und Intellektuellen Iris Murdoch ist ein Paradebeispiel für solch ein heißes Eisen. Der Regisseur Richard Eyre wagte sich trotzdem an die Verfilmung - allerdings nicht, ohne sich gründlichst vorzubereiten, und auch nicht mit dem Anspruch einer hundertprozentig authentischen Zelluloid-Biografie. Doch zu allererst: Wer war diese Iris Murdoch eigentlich?

Geboren 1919 in Dublin. Irin. Ausbildung im Somerville College in Oxford (Philologie, Philosophie). Während des Weltkriegs Arbeit im Flüchtlingscamp. Bisexuell. Intellektuell (Lehrauftrag in Oxford und London). Über 40 Jahre verheiratet. Untreu. Autorin von 25 Romanen (z.B. "Under the Net", "The Sea, the Sea"). Lebenshungrig. Tod 1999.

Mit 37 Jahren heiratete Iris den Universitätsdozenten John Bayley, der später ein anerkannter Literaturkritiker wurde. Im Film wird der zurückhaltende Mann von den großartigen Schauspielern Hugh Bonneville (jung) bzw. John Broadbent (älter) gespielt, die tatsächlich aussehen wie Vater und Sohn. Im Leben wie im Film kümmerte sich John aufopfernd um seine Frau, bei der 1997 die Alzheimerkrankheit diagnostiziert wurde.

"Genie und Wahnsinn - das alte Lied!" mag mancher vielleicht jetzt denken. Doch Alzheimer kann jeden treffen und das Schlimme daran ist, dass man dieses Todesurteil als Betroffener in der Anfangsphase der Krankheit durchaus begreift. Eyre lässt seinen Film nur 87 Minuten dauern - er verzichtet auf große Heul-Arien, zeigt stattdessen die Verzweiflung und nicht selten auch Wut des alten Mannes John Bayley.

Eine Wut, die sich gegen Iris richtet, die einst so anstrengend war, weil sie nichts im Leben ausließ. Jetzt ist sie anstrengend, weil sie nichts mehr kapiert - auch nicht, wenn ihr Mann sie anschreit und sich gleich darauf wieder bei ihr entschuldigt. Sie scheint es manchmal gar nicht zu merken.

"Iris" ist nicht in erster Linie die Verfilmung einer Lebensgeschichte, sondern ein Dokumentarfilm über Alzheimer anhand eines besonders tragischen Beispiels. Besonders tragisch? Ja, wie alle Fälle von Alzheimer. Absolut sehenswert.

P.S.: John Broadbent erhielt für seine vermeintliche Nebenrolle den Oscar, Kate Winslet (Iris jung) und Judi Dench (Iris älter) waren beide für das berühmteste aller Goldmännchen nominiert.

"Iris" ist erschienen bei Buena Vista Home Entertainment

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