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Fight Club - Special Edition

Fight Club - Special Edition

Teaser:
"Unser Leben ist portioniert", meint der namenlose Erzähler und Protagonist (Edward Norton) in "Fight Club". Er schildert sein Leben, und dass er nicht schlafen kann, weil es so sinnlos ist. Alles irgendwie portioniert - die Bekanntschaften, das Essen -, jeder folgt dem "IKEA-Nestbautrieb". Erleichterung und Tiefschlaf erfährt er erst, als er sich bei Menschen ausheult, denen es nun wirklich dreckig geht. Möglich wird das durch die Teilnahme an Selbsthilfegruppen-Meetings (Hodenkrebs, Parasiten, Tuberkulose u.a.).

Veröffentlicht:
20.08.2003
 
Nur: Er muss immer noch ins Büro und auf Geschäftsreisen, hat immer noch seine Eigentumswohnung im fünfhundertsten Stockwerk, darf immer noch seinem Chef die Füße küssen, damit er sich das Gucci-Logo auf seinen Schuhen leisten kann. Eines Tages lernt er Tyler Durden (Brad Pitt) kennen...

Der verkauft den Leuten ihr eigenes Fett. Richtig gelesen: Der scheinbar Verrückte klaut abgesaugtes Fettgewebe aus den Müllcontainern einer Klinik und macht daraus die beste Seife der Welt. Unser Erzähler ist fasziniert und irritiert: Da ist einer, der alles ablehnt und zurück zum wahren Menschsein will. "Alles, was du hast, hat irgendwann dich", sagt Tyler. "Du weißt, dass du lebst, wenn du Schmerzen hast." Die beiden gründen den "Fight Club".

Wer sein neues, glatt poliertes 40.000-Euro-Coupé liebt, wird "Fight Club" hassen. Finchers Streifen, der auf der genialen Romanvorlage Chuck Palahniuks basiert, zieht die Idole der Kommerzgesellschaft nicht durch den Kakao - er zerstört sie. Ex-Model Brad Pitt verlacht als Tyler Durden Modelplakate im Bus. Alles wird auf den Kopf gestellt. "Du bist nicht die Cargo-Hose, die du trägst!" sagt Tyler.

Die Lösung auf die Frage "Was ist der Mensch?" findet Tyler ebenso wenig wie Fincher. Gewalt führt auch hier zur Katastrophe, zu Terrorismus, Gleichschaltung, Faschismus. Zerstörung ist keine Lösung. Aber Fincher regt die Leute zum Nachdenken an, vielleicht zu konstruktiver Kritik an ihrem eigenen Leben. Man kann es sich allerdings auch leicht machen und in "Fight Club" einen hohlen Prügelfilm sehen.

"Fight Club" gibt es in Deutschland schon lange auf DVD, Extras suchte man allerdings vergeblich. Dabei hätte man doch gern gewusst, wie der beste aggressiv-sozialkritische Streifen seit "Uhrwerk Orange" (1971) entstanden ist, und was Regisseur und Schauspieler dazu zu sagen haben.

Vorliegende "Special Edition" dürfte die Wissensdurstigen befriedigen. Den Hauptfilm kann man sich jetzt auch mit den Kommentaren Finchers, Pitts, Nortons und Bonham Carters ansehen. Die Bonus-DVD bietet vor allem eine Vielzahl Mini-Making-Ofs, mit der Möglichkeit, verschiedene Kameraeinstellungen und Audiospuren zu wählen. Für Faule wäre ein normales Making Of in der Tat besser geeignet. Aber dieser "Makel" ist noch lange kein Grund, diesem Pflichtpaket einen Punkt abzuziehen.
 
 

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