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Die Passion Christi

Die Passion Christi
Teaser:
Kein Film ist in letzter Zeit so kontrovers diskutiert worden wie Mel Gibsons "Die Passion Christi". Und nahezu alle Reviews zu diesem Film beginnen mit eben diesem Satz. Warum? Weil Erzkatholik Gibson mit der Realisierung seines Traums, der Leinwandadaption seiner Sicht auf die letzten zwölf Stunden im Leben Jesu, in mancherlei Hinsicht gefährliches Terrain betreten hat.

Veröffentlicht:
07.09.2004
1.) Der Vorwurf antisemitischer Tendenzen in "Die Passion Christi": Wurde im Zweiten Vatikanischen Konzil das Judentum von der Schuld am Tod Jesu Christi frei gesprochen, so könnte man bei Gibson den Eindruck gewinnen, er sei anderer Meinung.

Pontius Pilatus (Hristo Naumov Shopov) wird nicht als grausamer römischer Statthalter dargestellt, sondern als Mensch mit ein paar Gewissensbissen und noch mehr politisch motivierten Gedankengängen, der Jesus nur deshalb verurteilt, weil er einen Aufstand verhindern will. Treibende Kraft für die Kreuzigung ist der Hohepriester Kaiphas (Mattia Sbragia) und der von ihm angeheizte jüdische Pöbel.

Jim Caviezel, der Darsteller von Jesus, nahm zu dem Vorwurf gegenüber dem Schweizer Nachrichtenmagazin "Facts" Stellung: "Wenn der jüdische Pöbel von Pontius Pilatus den Kopf von Christus fordert, ist nicht das Judentum als Ganzes gemeint. Genauso wenig, wie Mussolinis Taten alle Italiener oder Stalins Gräuel alle Russen verdammen. Wir sind alle schuld am Tod von Jesus. Meine Sünden, Ihre Sünden brachten ihn ans Kreuz. Davon handelt Mels Film."

2.) Der Vorwurf der Gewaltverherrlichung: In den 127 Minuten des Werks liegt das Hauptaugenmerk auf dem Leiden Jesu in den letzten zwölf Stunden seines (irdischen) Lebens. Von den verbalen Attacken gegen ihn im Tempel kurz nach seiner Verhaftung über die grauenhaft detailliert blutschwanger geschilderte Auspeitschung durch die Römer, vom Kreuzweg nach Golgatha bis zum sprichwörtlich "erlösenden" Ende:

In keiner Verfilmung der "Passion Christi" (übersetzbar als "Leidensweg Christi") musste Jesus dermaßen körperlich leiden, wurde er so "zerfleischt" wie in Gibsons Adaption. "Ich wollte wirklich die Größe dieses Opfers wie auch den damit verbundenen Horror zum Ausdruck bringen", begründet Gibson seine Entscheidung, den körperlichen Realismus zu betonen.

Wie bei jedem kontrovers diskutierten Werk gibt es keinen allgemeingültigen Konsens, es wird sicher auch kein endgültiges Ende der Diskussionen geben. "Cinema" bezeichnet "Die Passion Christi" als "Oberammer-Gau", während "Die Welt" von einem "Meisterwerk" spricht. Unstrittig ist, dass die handwerklich tadellos gefertigte Arbeit mit einem überzeugenden, da auch im Privatleben tief gläubigen Jesus-Darsteller Jim Caviezel vielen Kinogängern die Tränen in die Augen trieb. Man darf Gibson nicht vorwerfen, ein Antisemit zu sein, aber man muss ihm vorwerfen, dass "Die Passion Christi" eine antisemitische Interpretationsmöglichkeit zulässt.

Der Vorwurf der Gewaltverherrlichung ist hingegen gegenstandslos. Liz Smith von der New York Post meinte treffend: "Ich fasse es nicht, dass es Menschen gibt, die den Film bereits jetzt pauschal als Gewalt verherrlichend verdammen. Was stellen die sich vor, worum es sich bei einer Kreuzigung gehandelt hat - um ein Kaffeekränzchen?"

Natürlich sind die Folterszenen grausam, fast Ekel erregend. Aber Gibson wollte ohne Zweifel keinen christlichen Splatter-Streifen drehen, sondern die Größe des Opfers darstellen, das Jesus - nach christlicher Überzeugung - für die Erlösung von der Schuld für die Menschen brachte. Was als Zelluloid-Mission gedacht war, wurde für die einen zum Motor für endlose Diskussionen, für die anderen zum Anstoß für innere Einkehr. Manche blieben gar völlig unberührt.

Zu den Bonus-Features der DVD: Es gibt keine. Offenbar wollten die Macher den Film für sich sprechen lassen. Die Bewertung eines religiös motivierten Films sollte jedem Einzelnen überlassen werden, so dass an dieser Stelle keine Punkte vergeben werden.

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