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Gothika

Gothika
Teaser:
Wenn Sie mal wieder Lust haben auf Nervenkitzel am Samstagabend, auf wohliges Unbehagen, das vom Fernseher respektive vom DVD-Player in Ihren Geist gepflanzt wird, dann legen Sie unruhigen Gewissens "Gothika" ein. Denn der Hollywood-Horrorthriller des französischen Schauspielers und Regisseurs Mathieu Kassovitz ist definitiv reich an Geistern… aber ist er auch geistreich?
Veröffentlicht:
30.09.2004
Die junge, schöne, begabte, rationale, integre Dr. Miranda Grey (Halle Berry) ist Psychiaterin in einer Nervenklinik im US-Bundesstaat Connecticut. Ihrer Meinung nach ist die Verrücktheit ihrer Patienten immer kausal zu erklären: Irgendein Ereignis in der Vergangenheit hat den jetzigen Zustand dieser Menschen hervorgerufen. Von Erklärungsversuchen aus dem Bereich "Geisterwelt und Übersinnliches" will sie nichts hören.

Doch ihr auf Rationalität basierendes Weltbild wird gründlich auf den Kopf gestellt, als sie sich eines Tages selbst als Patientin in einer Zelle der Nervenklinik wieder findet. Was ist geschehen? Ihr Freund, Kollege und Flirtpartner Dr. Pete Graham (Robert Downey Jr.) offenbart Miranda, dass sie ihren Mann Douglas (Charles Dutton) mit einer Axt in schuhkartongerechte Portionen zerlegt hat. Langsam beginnt sie, sich an besagte Nacht zu erinnern: eine Umleitung, ein Mädchen auf der Straße, Flammen…

Mathieu Kassovitz ("Die fabelhafte Welt der Amélie", 2001) hat als Regisseur von "Die purpurnen Flüsse" (2000) bewiesen, dass er fähig ist, Bilder des Grauens mit einer ausgetüftelten Story zu einem schaurigen Gesamtkunstwerk zu formen. Mit der Starbesetzung Halle Berry und Robert Downey Jr. sowie den nicht ganz unerfahrenen Produzenten Joel Silver und Robert Zemeckis an seiner Seite durften die Freunde des intelligenten Horrors also einiges von "Gothika" erwarten.

Das Ergebnis ist ein handwerklich grundsolider, aber an Überraschungen armer Film. Zwar sind die Effekte, z.B. die rein am Computer erschaffenen Feuerspiele oder das grau-blaue Licht in der Klinik, gut auf die jeweilige Situation abgestimmt, auch Halle Berrys Spiel kommt ordentlich verzweifelt rüber – aber mit der Originalität von Genre-Highlights wie "The Sixth Sense" (1999) kann "Gothika" bei weitem nicht mithalten.

Wahrscheinlich wollte man mit dem Plot kein übergroßes Risiko eingehen, keine Innovationen wagen, die in die Hose hätten gehen können. Die altbekannten Muster werden konsequent nachgezeichnet. Was der Gärtner beim Krimi, ist beim Horrorthriller eben der Hüter der Moral, welch selbiger sich als psychopathischer Mörder entpuppt. In unserem Falle: der Chef der Nervenklinik und dann auch noch der Sheriff.

Den Darstellern - besonders erwähnenswert die Leistung von Penélope Cruz in der Rolle der undurchsichtigen Chloe - ist es zu verdanken, dass "Gothika" als ein vorzeigbares Exempel des Genres bezeichnet werden darf. Nicht mehr und nicht weniger. Die Bonus-Features sind ebenfalls "nur" nett. Männern wird das Limp-Bizkit-Video überhaupt nicht gefallen, denn wer sieht schon gerne zu, wenn ein Rockstar, der mal was mit Britney Spears hatte, die heilige Halle Berry knutschen darf!

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