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Lost in Translation

Lost in Translation

Teaser:
"Lost in Translation" - "Bei der Übersetzung verloren gegangen" - ist nicht nur der Titel, sondern der rote Faden von Sofia Coppolas zweiter Regiearbeit nach "The Virgin Suicides".
Veröffentlicht:
04.06.2004
 
Es gibt sie auch, die konkrete Szene, in der bei der Übersetzung einiges verloren geht: Der desillusionierte amerikanische (Ex-)Filmstar Bob (Bill Murray) muss sich während des Drehs eines Whisky-Werbespots in Tokio die hysterischen, minutenlangen Anweisungen eines japanischen Jungregisseurs anhören, die dann mit einem schlichten "Kopf etwas mehr nach links" übersetzt werden. Zuschauer und Bob fragen sich halb amüsiert, halb verwirrt: "Mehr hat er nicht gesagt?"

Natürlich hat er mehr gesagt, aber das würden wir sowieso nicht verstehen, wir aus dem Westen. Wir sind beim roten Faden angelangt - Bob versteht die Welt nicht mehr. In Tokio ist alles laut, fremd, er kann nicht schlafen, und in der Ferne muss er sich bei belanglosen Telefonaten mit seiner Frau eingestehen, dass sie sich seit langem nichts mehr zu sagen haben. Nachts sitzt er an der Hotelbar, in der er wegen Filmen erkannt wird, die er vor langer Zeit als anderer Mensch machte.

Die junge Charlotte (Scarlett Johansson) ist auch in Tokio und schon am Anfang ihrer Ehe mit John (Giovanni Ribisi) an deren Ende angelangt. John realisiert das aber nicht. Bob und Charlotte begegnen sich in der Hotelbar und merken schon an den Blicken, die sie sich zuwerfen, dass sie beide als verlorene Seelen viel gemeinsam haben. Eine ungewöhnliche, undefinierte Beziehung beginnt…

Eine Japanerin, die Bob "unterhalten" soll, kommt auf sein Hotelzimmer und sagt: "Lupfe meine Schlumpf!" Wie dieser Satz, den Bob natürlich wieder mal nicht versteht, ist "Lost in Translation" reine Interpretationssache. Es liegt am Zuschauer, was er in der zarten, unaufdringlichen Beziehung von Bob, dem Schauspieler über fünfzig, und Charlotte, der orientierungslosen Philosophieabsolventin Mitte zwanzig, sehen will. Ist es Liebe, die aufgrund der Umstände nicht ausgelebt werden kann? Freundschaft, die keiner großen Worte bedarf? Gar Seelenverwandschaft? Sofia Coppola hat Bob und Charlotte mit wenigen Worten viel sagen lassen - da kann wenigstens bei der Übersetzung nichts verloren gehen…

Hier und da wird "Lost in Translation" als "melancholische Komödie" bezeichnet. Komödien sind das, was Steve Martin macht. Dieser Film ist eher wie ein verzweifeltes Lächeln, das zu einem zufriedenen wird.

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